Politik : Amerikanische Freihandelszone: Von Rio bis Berlin

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Was will die EU? Auch Europa strebt eine Freihandelszone mit bestimmten Ländern in Südamerika an, mit dem Mercosur. Zu diesem Wirtschaftspakt haben sich 1991 Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zusammengeschlossen. Chile ist assoziiert. Auch die Europäer wollen mit den Lateinamerikanern bis 2005 handelseinig sein. Doch es gibt noch große Probleme. Die Europäer wollen ihren Agrarmarkt nicht öffnen. Für die Lateinamerikaner ist dies aber die wichtigste Bedingung. Mittlerweile gibt es einige Länder in Südamerika, die lieber mit den USA zusammenarbeiten wollen. Dazu gehört zum Beispiel Chile, aber auch Argentinien knüpft enge Beziehungen zu den USA. Am Freitagabend war aus Kanada zu hören, dass die Argentinier womöglich den Mercosur ganz in Frage stellen wollen.

Was ist die Gefahr für Europa? Analysten sehen Bushs Engagement in Lateinamerika als "Maßnahme gegen die EU". Die Europäer könnten ihre gute Marktposition schnell verlieren, wenn es zur Bildung der FTAA kommt. Noch ist die EU der wichtigste Handelspartner für den Mercosur. Über 30 Prozent der Importe stammen aus Europa. Die Europäer sind auch stark, was die Direktinvestitionen in den Mercosur betreffen. Die Summe der Direktinvestitionen ist von 650 Millionen Dollar im Jahr 1993 auf 7,9 Milliarden Dollar 1997 angewachsen. Dennoch haben die USA hier den Europäern schon den Rang eins abgelaufen. Sie sind mit 8,3 Milliarden Dollar die größten Investoren im Mercosur.

Ein Erfolg: In der Praxis können Freihandelszonen auch dazu führen, dass sich die Partner auf bestimmte Normen und Standards einigen, die dann einen ganzen Industriezweig betreffen. Kürzlich haben sich die Brasilianer darauf verständigt, den europäischen Mobilfunkstandard anzunehmen, was den Europäern in dieser Branche natürlich erhebliche Vorteile verschafft.

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