Politik : Amerikas Feinde

Nach den Anschlägen auf Bali wurden rund 30 Personen verhaftet, sechs werden noch gesucht. Die wichtigsten im Überblick

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Die Verhafteten

Rund 30 Personen wurden nach den BaliAnschlägen verhaftet, alle kommen aus Indonesien. Die meisten hatten nur kleine Rollen, halfen etwa bei der Beschaffung von gefälschten Pässen oder gewährten den Tätern Unterschlupf. Sieben Verhaftete gestanden, direkt an den Anschlägen beteiligt gewesen sein. Die wichtigsten sind:

Mukhlas (alias Ali Ghufron), Alter unbekannt, islamischer Gelehrter, gehört zur Führung der südostasiatischen Terrorgruppe „Jemaah Islamiah“ (JI). Ein Planer der Bali-Anschläge, rekrutierte Täter, gab Anweisungen, besorgte Geld. Er soll früher in Afghanistan gekämpft und dort gelernt haben, Bomben zu bauen. Mukhlas lebte lange in Malaysia und besuchte dort eine islamische Schule, an der der indonesische Fundamentalist Abu Bakar Baashir lehrte. Er sagte aus: „Ich wollte Dschihad führen als Rache für die weltweite Ungerechtigkeit gegen Moslems.“

Abdul Aziz (alias Imam Samudra ), 32, Cheforganisator vor Ort, leitete die Anschläge in Bali. Auch er ist Mitglied der Terrorgruppe JI. Er kämpfte in Afghanistan und soll auch in Lagern der südphilippinischen Rebellenorganisation MILF trainiert haben. Samudra lebte lange in Malaysia und besuchte dort die gleiche Schule wie Mukhlas. Soll an Weihnachten 2000 an Anschlägen auf Kirchen in Indonesien beteiligt gewesen sein, bei denen 17 Menschen starben und 80 verletzt wurden. Reportern rief er zu: „Allah ist groß“ und „Amerika wird zermalmt werden“.

Amrozi, 39, Automechaniker, jüngerer Bruder von Mukhlas. Er kaufte eine Tonne Chemikalien für die Bomben. Außerdem stellte er seinen Minibus zur Verfügung, in dem der große Sprengsatz vor dem „Sari Club“ explodierte. Er sagte aus: „Ich wollte so viele US-Amerikaner töten wie möglich.“

Verhaftet ist auch der Fundamentalist Abu Bakar Baashir , angeblich spiritueller Führer der JI. Er verweigert die Aussage.

Die Gesuchten

Die Ermittler suchen nach eigenen Angaben noch fünf Täter sowie den JI-Terrorchef Hambali. Alle Gesuchten sind Indonesier. Zwei von ihnen sollen vor den Anschlägen den Tatort observiert haben. Ein Mann namens Idris (alias Jhoni Hendrawan, 35) soll für Unterkunft und Verpflegung gesorgt haben. Wichtiger sind:

Riduan Isamuddin (alias Hambali ), 36, Terrorchef der JI und angeblich Mitglied der „Schura“, des höchsten Gremiums von Osama bin Ladens Al Qaida. Er gilt als Südostasiens meistgesuchter Mann. Nach US-Presseberichten nahm er am ersten Planungstreffen für die Bali-Anschläge teil, das im Süden Thailands stattgefunden haben soll. Er kämpfte in Afghanistan, lebte lange in Malaysia und war an vielen Terrorakten in Südostasien beteiligt.Im Januar 2000 soll er in Kuala Lumpur zwei der Männer getroffen haben, die die Terrorangriffe am 11. September in den USA ausführten.

Dul Matin (alias Amar Usman), 32, Elektroniker. Er soll die Bali-Bomben gebaut, mit Mobiltelefonen verbunden und durch das Senden einer SMS gezündet haben.

Ali Imron (alias Alik), 30, Bruder von Mukhlas und Amrozi. Er soll den Minibus mit dem Sprengstoff vor den „Sari Club“ gefahren haben. Laut Polizei hielt er mitten auf der Straße, zog den Schlüssel, stieg aus und flüchtete auf einem Motorrad. Wenig später explodierte der Sprengsatz.

Ein weiterer Täter, Iqbal, starb am Tatort. Er brachte eine Bombe in die Diskothek „Paddy´s“, die acht Menschen tötete. Es gibt einen Abschiedsbrief von ihm, laut Mukhlas wollte er einen Märtyrertod sterben. Die Polizei hält den Brief für eine Fälschung. Die Ermittler wissen aber noch nicht, ob im „Paddy´s“ ein Selbstmordanschlag stattfand oder nicht. Es wäre der erste außerhalb der Konflikte in Nahost und Sri Lanka. mkb

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