Amnesty International : In Syrien wird gefoltert

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagt Folterungen in Syrien. Die Syrien-Expertin in Deutschland fordert einen Abschiebungsstopp für das Land in der ganzen Bundesrepublik.

Demonstranten protestieren in Idlib, Syrien, gegen das Regime in Damaskus. Seit einem Jahr kämpft Assad gegen eine Protestbewegung, die trotz Milizenterror, Folter und Artilleriebeschuss nicht aufgibt.
Demonstranten protestieren in Idlib, Syrien, gegen das Regime in Damaskus. Seit einem Jahr kämpft Assad gegen eine...Foto: dpa

In Syrien werden Gefangene nach Angaben von Amnesty International systematisch gefoltert. Schon bei der Einlieferung in die Haftzentren würden Festgenommene mit Stöcken, Gewehrkolben, Peitschen und Seilen geschlagen, berichtete die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch zum ersten Jahrestag der Massenproteste gegen Präsident Baschar al-Assad. Überlebende von Verhören berichteten demnach, dass sie in einen Autoreifen gezwängt, aufgehängt und mit Stöcken und Kabeln misshandelt worden seien.

Häufig würden die Opfer an einem Haken oder Türrahmen mit Handfesseln aufgehängt, so dass die Zehenspitzen kaum den Boden berührten. Weit verbreitet sind Amnesty zufolge auch Folterungen mit Elektroschocks. Zudem hätten Berichte über Vergewaltigungen von Gefangenen zugenommen. Amnesty hat nach eigener Darstellung für den Bericht Aussagen syrischer Flüchtlinge in Jordanien gesammelt.

“Die Aussagen sind weitere Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien“, sagte die Syrien-Expertin von Amnesty in Deutschland, Ruth Jüttner. Von der Bundesrepublik forderte Jüttner einen formellen Abschiebungsstopp nach Syrien und einen legalen Aufenthalt für die Betroffenen. “Das bisherige Vorgehen der deutschen Behörden bedeutet für die Flüchtlinge aus Syrien, zusätzlich zur Sorge um ihre Angehörigen, ein Leben in ständiger Angst vor einer Abschiebung.“ Zwar hätten Schleswig-Holstein, Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern - einen formellen Abschiebungsstopp für Syrien erlassen. Notwendig sei aber eine bundesweite Regelung.

Vor genau einem Jahr begannen in Syrien die Massenproteste gegen Staatschef Baschar al-Assad, die dieser blutig niederschlagen lässt. Seither wurden nach Angaben von Aktivisten mehr als 8500 Menschen getötet, die meisten davon Zivilisten. (rtr, afp)

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