Politik : Ankara entgeht nur knapp Katastrophe

Susanne Güsten

Istanbul - Die türkische Hauptstadt Ankara ist am Dienstag einem verheerenden Bombenanschlag entgangen.In einem blauen Mercedes-Van vom Typ „Vito“ fand die Polizei rund 300 Kilogramm TNT und Natriumnitrat – genug Sprengstoff, um in einem belebten Stadtviertel für ein Blutbad zu sorgen. Ankara habe vor einer Katastrophe gestanden, sagte Gouverneur Kemal Önal.

Türkische Fernsehsender verglichen die vereitelte Explosion und die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA: „Der 11. September von Ankara ist verhindert worden“, meldete der Fernsehsender NTV. Auch glich das Muster des Anschlagsversuch – eine mehrere hundert Kilo schwere Autobombe – den Plänen, die bei den vor kurzem in Deutschland festgenommenen mutmaßlichen Terroristen aufgedeckt worden waren.

Die Polizei hatte schon am Montagabend mit Durchsuchungen im Stadtgebiet von Ankara begonnen. Anlass waren zwei potenziell gefährliche Gedenktage: der 11. September sowie der Jahrestag des letzten Staatsstreiches der türkischen Militärs am 12. September 1980. Um mögliche Gewaltaktionen zu vereiteln, durchkämmten die Beamten viele Gegenden in der Vier-Millionen-Stadt.

Im Stadtteil Kurtulus kam zur Suchaktion noch der Anruf eines Wagenbesitzers hinzu, der seinen „Vito“ als gestohlen meldete. Als die Polizisten den in einem Parkhaus abgestellten und mit falschen Kennzeichen versehenen Wagen unter die Lupe nahmen, schlugen ihre Spürhunde an. Augenzeugen berichteten später, ein Unbekannter habe den Wagen dort am frühen Morgen abgestellt. Polizisten sperrten die Umgebung ab, Fachleute entschärften die Bombe.

Bei der Suche nach den Tätern richtete sich der erste Verdacht gegen islamische Extremisten. TV-Sender zitierten Ermittler, wonach die Art der Anschlagsvorbereitung an die Anschläge von Istanbul im Jahr 2003 erinnere. Bei den Anschlägen einer türkischen Zelle des Terrornetzwerkes Al Qaida waren 63 Menschen ums Leben gekommen. Susanne Güsten

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