Anklage : Weißes Haus: Syrien hat Mordliste für Libanon

Die syrische Führung hat nach Angaben der US-Regierung eine Mordliste libanesischer Politiker und anderer wichtiger Personen. Damaskus wies alle Vorwürfe über eine fortdauernde Einmischung in die inneren Angelegenheiten Libanons zurück.

Washington/Damaskus (12.06.2005, 16:59 Uhr) - Es gebe Informationen, denen zufolge "es eine syrische Mordliste gibt, die auf politische und religiöse Schlüsselfiguren in Libanon zielt", zitierte die «New York Times» am Sonntag den Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Auch die «Washington Post» hatte unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte berichtet, dass Washington Hinweise auf eine solche schwarze Liste habe.

Damaskus wies alle Vorwürfe über eine fortdauernde Einmischung in die inneren Angelegenheiten Libanons zurück. Die offizielle syrische Nachrichtenagentur SANA zitierte am Samstag einen Sprecher des Außenministeriums in Damaskus mit den Worten, für diese Anschuldigungen gebe es keinen Grund. Syrien habe sich vollständig aus Libanon zurückgezogen. Es sei verwunderlich, dass die USA solchen Berichten Glauben schenkten.

US-Präsident George W. Bush hatte zuvor die fortgesetzte Präsenz Syriens in Libanon als beunruhigend bezeichnet. Washington, glaubt, dass sich noch immer zahlreiche syrische Agenten in Libanon aufhalten. Die libanesische Opposition beschuldigt Syrien, für die Morde an dem Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar und an dem prominenten Journalisten Samir Kassir Anfang Juni verantwortlich zu sein.

UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Donnerstag erklärt, jüngste Berichte ließen auf den Verbleib «syrischer Elemente» in Libanon schließen. Er erwäge, erneut eine Delegation von Militärexperten nach Libanon zu entsenden und den Sachverhalt genau ergründen zu lassen. Erst vor gut zwei Wochen hatte Annan offiziell den Abzug aller syrischen Soldaten und Agenten und damit das Ende einer fast 30 Jahre dauernden Truppenpräsenz in Libanon bekannt gegeben.

Der UN-Gesandte Terje R¢d-Larsen überbrachte am Sonntag einen Brief Annans an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Über den Inhalt des Schreibens wurde in Damaskus nichts bekannt. (tso)

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