Anschläge in Bombay : Indien verdächtigt pakistanische Extremisten

Die Zahl der durch die Anschläge in Bombay getöteten Menschen hat sich auf 200 erhöht; 714 wurden verletzt. Erste Ermittlungen deuteten auf pakistanische Extremisten hin, erklärte die Polizei.

Bombay - Indische Ermittler vermuten pakistanische Extremisten hinter der Serie vom Bombenanschlägen mit mindestens 200 Toten in Bombay. Der «Tatmodus» entspreche dem Vorgehen der Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba aus Pakistan, sagte am Mittwoch der Polizeichef des Bundesstaates Maharashtra, P.S. Pasricha. Die Gruppe, die sowohl in Pakistan als auch in Indien verboten ist, dementierte jede Verwicklung in die Anschläge vom Dienstagabend. Jüngsten Polizeiangaben zufolge wurden dabei mindestens 714 weitere Menschen verletzt. Premierminister Manmohan Singh rief die Inder zur Einheit auf. In der 18-Millionen-Einwohner-Stadt galt weiter höchste Alarmbereitschaft.

Pasricha betonte zugleich, dass vor einer Schuldzuweisung die Untersuchungsberichte von Experten abgewartet werden müssten. Ein Sprecher der Gruppe Lashkar-e-Taiba («Armee der Reinen») dementierte in Srinagar jede Verwicklung in die Anschläge. Die islamistische Gruppierung kämpft gegen die indischen Truppen in Kaschmir. Die «Hindu Times» berichtete am Mittwoch, die Ermittler prüften Verbindungen zwischen der Lashkar-e-Taiba sowie der Studentischen Islamischen Bewegung Indiens (SIMI). Die SIMI ist seit 2001 in Indien verboten.

Singh: "Terroristen" für die Anschläge verantwortlich

Die indische Regierung hielt sich mit Beschuldigungen zurück. Ministerpräsident Manmohan Singh machte «Terroristen» für die Anschläge verantwortlich, ohne sich genauer zu äußern. Der Chef der mit der Untersuchung der Anschläge beauftragten Anti-Terror-Einheit, K.P. Raghuvanshi, sprach von einer «wichtigen Macht», die «gut koordinierte und vorbereitete» Anschläge verübt habe, nannte aber ebenfalls keine Namen.

In einer vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Rede rief Singh die Inder auf, trotz der Anschläge «geeint» zu bleiben. Die Einheit sei die große Stärke Indiens. Die Terroristen hätten noch nicht verstanden, «dass wir sie niemals gewinnen lassen werden». Niemand werde «Indien in die Knie zwingen können», sagte er weiter.

Achter Sprengsatz explodierte nicht

Die Ermittler sammelten unterdessen an den sieben Anschlagsorten Materialien, um Aufschlüsse über die Vorgehensweise der Attentäter zu gewinnen. In der Nähe eines Bahnhofs wurde ein Zeitzünder entdeckt. Auch ein achter nicht explodierter Sprengsatz könnte weitere Aufschlüsse liefern. In den Erste-Klasse-Abteils von Nahverkehrszügen und auf Bahnhöfen der indischen Finanzmetropole Bombay waren am Dienstag im abendlichen Berufsverkehr sieben Sprengsätze explodiert.

Noch am Mittwoch suchten Menschen nach Angehörigen in den 31 Krankenhäusern, in die die Überlebenden nach den Anschlägen gebracht worden waren. Die Polizei nannte die Namen der Verletzten auf ihrer Internetseite. Nachrichtensender brachten ebenfalls die Namen der Verletzten und der Krankenhäuser, in denen sie sich befanden, sowie Nachrichten für die Angehörigen. (tso/AFP)

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