Anschläge : Nordirische Polizei muss Terrorverdächtige laufen lassen

Wegen eines Verfahrensfehlers sind sechs Verdächtige im Fall der Terroranschläge in Nordirland vor zwei Wochen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Einer der Freigelassenen, der 41-jährige Colin Duffy, wurde umgehend wieder in Gewahrsam genommen.

LondonZwei Wochen nach den tödlichen Terroranschlägen in Nordirland haben die Ermittler sechs Verdächtige überraschend wieder freigelassen. Einer von ihnen, das 41 Jahre alte Mitglied der früheren Terrororganisation IRA, Colin Duffy, wurde jedoch umgehend wieder in Gewahrsam genommen. Zuvor hatte ein Gericht ihre Entlassung wegen eines Verfahrensfehlers angeordnet. Damit werden insgesamt noch vier Männer wegen der Morde an einem Polizisten und zwei Soldaten festgehalten. Zu den beiden Anschlägen am 7. und 9. März hatten sich Splittergruppen der IRA bekannt.

Gegen einen 37-Jährigen wurde am Mittwoch unter hohem Sicherheitsaufgebot in Belfast Anklage wegen des Polizistenmordes und unerlaubten Waffenbesitzes erhoben. Wegen des Mordes an dem Beamten sitzt seit Dienstag auch ein 17-Jähriger in Untersuchungshaft.

Auswertung der Spuren verzögert sich

Das Gericht gab der Beschwerde der sechs Verdächtigen statt, die in ihrem andauernden Gewahrsam einen Verstoß gegen die europäische Menschenrechtskonvention sahen. Ein siebter Verdächtiger hatte sich nicht an der Beschwerde beteiligt. Nach den neuen Bestimmungen des Anti-Terror-Gesetzes können Verdächtige bis zu 28 Tage ohne Anklage festgehalten werden. Die Polizei wollte die Männer länger in Gewahrsam halten, weil sich die Auswertung der Spuren verzögerte. Da ein Richter bei der Genehmigung der Verlängerung die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der Festnahmen jedoch nicht geprüft habe, seien die Verdächtigen zu entlassen, urteilte die höhere Instanz.

Während der Chef-Ermittler die Anklage gegen den 37-Jährigen eröffnete, musste die Polizei entscheiden, welcher der Verdächtigen nach Lage der Beweise freikommt oder ebenfalls angeklagt wird. Der prominenteste Verdächtige, der extremistische Republikaner Duffy, wurde kurz nach der Entlassung sofort wieder festgenommen. Duffy wurden in den 1990er Jahren drei Morde zur Last gelegt, die Anklage wurde aber in allen Fällen fallengelassen. (jvo/dpa)

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