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Anschlag im Jemen : Fast hundert Tote bei Selbstmordanschlag auf Soldaten

Anschlag im Jemen: Unweit des Präsidentenpalastes gab es eine Explosion, mindestens 96 Menschen starben. Ein Attentäter in einer Militäruniform hatte sich unter die Besucher einer Probe zu den Feierlichkeiten am Nationalfeiertag gemischt.

Anschlag in Sanaa: Soldaten rennen zum Ort der Explosion.
Anschlag in Sanaa: Soldaten rennen zum Ort der Explosion.Foto: Reuters

<WC1> Bei einem verheerenden Selbstmordanschlag auf die jemenitische Armee sind am Montag nach Angaben von Militär und Ärzten fast hundert Soldaten getötet worden. Mindestens 96 Militärs seien getötet und fast 300 weitere verletzt worden, als sich ein Soldat während einer Übung inmitten seiner Kameraden in der Hauptstadt Sanaa in die Luft sprengte, hieß es. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte, der Anschlag trage „Spuren von Al-Qaida“.

Die Soldaten gehörten zu den Einheiten der zentralen Sicherheit, einem Teil der Armee, der von einem Neffen des ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh geleitet wird. Zum Zeitpunkt des Anschlags trainierten sie auf dem Sabiin-Platz für eine Militärparade zum 22. Jahrestag der Vereinigung des sozialistischen Süd-Jemen mit dem nördlichen Landesteil. Diese sollte am Dienstag stattfinden und der seit Februar amtierende Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi sollte eine Rede halten. Zunächst war unklar, ob die Parade trotzdem abgehalten werden sollte.

Die Anti-Terror-Einheit im Jemen
Frauen voran. In der Anti-Terror-Einheit der jeminitischen Armee sind auch Soldatinnen im EinsatzAlle Bilder anzeigen
1 von 5Fotos: Katharina Eglau
19.07.2011 09:29Frauen voran. In der Anti-Terror-Einheit der jeminitischen Armee sind auch Soldatinnen im Einsatz

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, die jemenitische Armee geht jedoch derzeit verschärft gegen Al-Qaida-Kämpfer vor. Ein Offizier der für den Bezirk verantwortlichen Sicherheitskräfte, Abdel Hami al-Badschatsch, sagte: „Das Attentat trägt Spuren von Al-Qaida.“ Nach Behördenangaben waren Verteidigungsminister Mohammed Nasser Achmed und Generalstabschef Achmed Ali al-Aschwal zum Zeitpunkt des Anschlags vor Ort, blieben jedoch unverletzt.

Bei den Toten und Verletzten handle es sich ausschließlich um Soldaten, sagten Ärzte sowie ein Militärsprecher. Am Tatort lagen zerfetzte Leichen, dutzende Rettungswagen brachten die Opfer in insgesamt sieben Krankenhäuser der Umgebung. Ärzten zufolge wurden fast 300 Menschen verletzt. Die Explosion riss einen tiefen Krater in den Sabiin-Platz, auf dem häufig Militärparaden abgehalten werden. Es war der schwerste Anschlag im Jemen seit Hadis Amtsantritt.

Der Staatschef hatte dabei den im Jemen aktiven Rebellen der Terrororganisation Al-Qaida den Kampf angesagt. Seit anderthalb Wochen geht die jemenitische Armee nun verschärft gegen Al-Qaida-Kämpfer im Süden des Landes vor. Dabei wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP bereits mehr als 230 Menschen getötet, darunter neben zahlreichen Aufständischen auch mindestens 41 Soldaten und 17 Zivilisten.

Al-Qaida-Kämpfer hatten im vergangenen Jahr die Schwäche der Zentralregierung infolge der monatelangen Proteste gegen den damaligen Präsidenten Saleh genutzt, um ihre Macht im Süden des Landes auszubauen. Dabei eroberten sie mehrere Städte.

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