Politik : Anstifter mit deutschem Pass?

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Von Malte Lehming, Washington

Das Puzzle ist noch nicht fertig, aber immer mehr Teile sind am richtigen Platz. Jetzt ist es offenbar gelungen, jenen Mann zu identifizieren, der die Hamburger Terroristen um Mohammed Atta für die Al-Qaida-Organisation rekrutierte. Es ist ein 41-jähriger Deutscher syrischer Abstammung. Sein : Mohammed Haydar Zammar. Er soll eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Anschläge vom 11. September gespielt haben. Das berichtet am Mittwoch die „Washington Post". Wo Zammar sich derzeit aufhält, wissen die deutschen Behörden nicht. Vor dem 11. September war er von ihnen als mutmaßlicher moslemischer Terrorist überwacht worden, nach den Attentaten wurde er verhört, aber wieder freigelassen. Am 27. Oktober verließ er das Land in Richtung Marokko. In Hamburg ließ er Frau und sechs Kinder zurück.

Die Amerikaner wissen vielleicht mehr. „Zammar läuft nicht frei herum“, sagt einer von ihnen kryptisch. Konkrete Informationen werden jedoch verweigert. Die Deutschen glauben, Zammar sei möglicherweise in einem Drittland in US-Haft und werde dort verhört. Das könnte zu diplomatischen Spannungen führen. Nach internationalem Recht muss jedes Land, in dem ein deutscher Staatsangehöriger inhaftiert wird, dies den deutschen Behörden mitteilen. Zammar hätte ein Recht auf konsularische Hilfe.

Wie, wo und durch wen wurde der 11. September geplant? Vorläufig gehen die Ermittler von folgender Theorie aus: Der Hamburger Kreis um Atta hat sich Mitte der neunziger Jahre gebildet. Er bestand aus einer Gruppe junger moslemischer Studenten. Diese gerieten 1997 in den Bann von Zammar. Der schwergewichtige charismatische Prediger trug erheblich zur Radikalisierung der Männer bei. Ende 1998 oder Anfang 1999 beschloss die Hamburger Gruppe, sich der Terrororganisation Al Qaida anzudienen. Dabei war Zammar der entscheidende Vermittler. „Er war die Schlüsselfigur“, sagt ein Ermittler.

Der Anschlag selbst jedoch wurde offenbar in Afghanistan geplant. Der Cheftstratege war das Al-Qaida-Mitglied Khalid Scheich Mohammed. Er besuchte Deutschland im Jahre 1999. Laut „Los Angeles Times“ war er auch in Hamburg bei Mohammed Atta. Anschließend suchte die Führung von Al Qaida, wahrscheinlich Osama bin Laden persönlich, eine Gruppe von elf zuverlässigen jungen Saudis aus, die mit der Hamburger Zelle zusammenarbeiten sollten. Bei einem Treffen in Malysia im Jahre 2000, an dem zwei der Piloten vom 11. September sowie hochrangige Al-Qaida-Mitglieder teilnahmen, soll dann das genaue Vorgehen ausgearbeitet worden sein. Die Ermittler nehmen an, dass die jungen Saudis bis zuletzt nicht darüber informiert wurden, dass sie einen Selbstmordanschlag unterstützen. Vielmehr glaubten sie, bei einer traditionellen Flugzeugentführung helfen zu sollen. Der Chefplaner der Attentate, Scheich Mohammed, ist flüchtig. Er soll sich entweder im Osten Afghanistans oder in Pakistan aufhalten.

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