Politik : Anti-Terror-Koalition: Arabische Ängste

Andrea Nüsse

Die Reise-Diplomatie in Sachen Anti-Terror-Koalition läuft auf Hochtouren. Während der britische Premierminister Tony Blair am Donnerstag zu Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in Kairo eintraf, begann der jordanische König Abdallah II. eine Europa-Reise, die ihn zunächst nach Berlin führte, wo er mit Bundeskanzler Schröder sprach. Abdallah sieht Jordanien als "starken, loyalen Partner des Westens und der gesamten Welt". Schröder sagte nach dem Gespräch: "Zur Vermeidung falscher Solidarisierung der Menschen mit dem Terrorismus braucht der Nahost-Friedensprozess neue Dynamik."

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Nachdem Ägypten und Jordanien die amerikanischen Luftangriffe auf Afghanistan gebilligt hatten, geht es in den Gesprächen vor allem um die Sorge der arabischen Welt, dass nach Afghanistan auch andere arabische Länder Ziele von Angriffen sein könnten. Beide arabischen Herrscher machten ihren westlichen Gesprächspartnern klar, dass ein Angriff auf ein arabisches Land wohl das Ende der Anti-Terror-Koalition bedeute.

Hosni Mubarak kann sich zufrieden zurücklehnen. Hat er es doch geschafft, den militanten Islamismus in Ägypten unter Kontrolle zu bekommen. Dagegen wirft Ägypten den Briten vor, Warnungen über die Verflechtungen des islamischen Terrorismus in der Vergangenheit nicht ernst genug genommen und flüchtigen Islamisten Asyl gewährt zu haben.

Auch der jordanische König Abdallah II. kann eine weiße Weste vorweisen. In Jordanien wird jeder Ansatz nicht nur militanter islamistischer Gruppen, sich zu äußern oder zu organisieren, im Ansatz erstickt.

Doch weder Abdallah noch Mubarak brauchen zu fürchten, vom Westen auf Menschenrechtsverletzungen angesprochen zu werden. Solche Bedenken stehen hinter dem Ziel zurück, eine breite Anti-Terror-Koalition unter Einschluss arabischer Staaten zu bilden. Dabei hat die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" davor gewarnt, dem Extremismus in Ägypten weiter Vorschub zu leisten, indem Folter oder die Inhaftierung Oppositioneller weiterhin übersehen werde.

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