Antidiskriminierungsstelle : Lüders soll Kampf gegen Diskriminierung leiten

Christine Lüders nennt als Ziel "eine Kultur der Nichtdiskriminierung". "Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, potenziell gute Bewerber nur wegen Herkunft und Hautfarbe nicht einzuladen" sagte sie dem Tagesspiegel.

Andrea Dernbach
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Foto: promo

Berlin Als die EU vor Jahren verlangte, Diskriminierung per Gesetz zu bekämpfen, sah mancher Deutschland schon in einer Flut von Prozessen tatsächlich oder vermeintlich Benachteiligter untergehen. Es folgte vor drei Jahren das Wortungetüm des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“, sogar eine „Antidiskriminierungsstelle des Bundes“ (ADS) wurde eingerichtet – und die Aufregung legte sich. Nach Auffassung mancher sogar zu sehr. Kritiker beklagten die magere Öffentlichkeitsarbeit des noch unbekannten Amts, zu wenig Hilfe und Beratung gegen Diskriminierung und manche unverständlich hohe Ausgabe – so war der Amtschefin Martina Köppen, zuvor für die katholische Deutsche Bischofskonferenz in Brüssel tätig, ein eintägiger Kongress unter dem Titel „Wertegesellschaft als ökonomischer Faktor“ 100 000 Euro wert.

Jetzt hat Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), deren Haus für die ADS zuständig ist, die Reißleine gezogen. Man danke Köppen, hieß es kühl in einer Pressemitteilung, und werde ihre Nachfolgerin „schnellstmöglich“ einsetzen. Die Neue heißt Christine Lüders und ist ein Kommunikationsprofi, über Lagergrenzen hinaus politisch gut vernetzt und mit einer bunten Biografie, die ihr im neuen Amt nutzen dürfte. Die 56-jährige Frankfurterin, derzeit Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit in Hessens FDP-geführtem Kultusministerium, war zuvor mehrere Jahre lang Kommunikationschefin von Deutschlands damals erstem Integrationsminister Armin Laschet (CDU) in Nordrhein-Westfalen. Basiserfahrung in Sachen Integration und Chancengerechtigkeit hatte die studierte Pädagogin da längst gesammelt: In ihren sieben Jahren an einem sozialen Hotspot, einer Gesamtschule in Frankfurt-Preungesheim, sagt sie, saßen schon damals nie mehr als zwei deutsche Kinder in ihren Klassen. Themen wie Ehrendelikte, Mädchenerziehung, Religion waren Dauerstoffe.

Als Ziel nennt Lüders „eine Kultur der Nichtdiskriminierung“. „Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, potenziell gute Bewerber nur wegen Herkunft und Hautfarbe nicht einzuladen“ sagte sie dem Tagesspiegel. Vorurteile zu überwinden, ist im ureigenen Interesse der Firmen.“ Im neuen Amt will sie die Verantwortlichen dort dafür „sensibilisieren“. Opfern von Benachteiligung verspricht sie Hilfe – Hand in Hand mit nichtstaatlichen Organisationen, die sich dem Thema widmen. „Gute Netzwerke und eine solide Beratungsinfrastruktur“ seien nötig, und da werde ihre Arbeit auch ansetzen.

Netzwerken ist ohnedies ein Naturtalent von Lüders, deren Lebenslauf auch einige Jahre als Lufthansa-Vorstandsreferentin und -Abteilungsleiterin ausweist und die sich mit Erfolg als Autorin ironischer Ratgeber versuchte. „Im Armani zum Aldi“, so einer ihrer Titel, das kann sie vermutlich ebenso gut wie man ihr zutraut, mit Aldi-Tüten in jede Armani-Boutique zu kommen. Andrea Dernbach

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