Politik : AOK will über Zahnersatz verhandeln

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Berlin - Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer rücken immer enger zusammen. Nachdem die Privatkassen neuerdings von den Preisverhandlungen zwischen gesetzlichen Kassen und Pharmaindustrie bei neuer Arznei mitprofitieren dürfen, macht sich nun die AOK für ein Kernanliegen der Privaten stark: Öffnungsklauseln in der privatzahnärztlichen Gebührenordnung (GOZ), um beim Zahnarzt auch für Privatpatienten die Preise drücken zu können.

Der Grund, sich für das Ziel der Privatkassen einzusetzen, liegt für die AOK darin, dass auch gesetzlich Versicherte beim Zahnarzt zunehmend von Privatabrechnungen betroffen sind. Seit 2005 dürfen gesetzliche Kassen für Zahnersatz nur noch Festzuschüsse erstatten. Neben ihrem Eigenanteil nach gesetzlichem Kassenpreis müssen Kassenpatienten den Rest privat draufzahlen – nach den Bedingungen der GOZ. Laut AOK werden bei ihnen inzwischen nicht weniger als 60 Prozent des Zahnersatzes privat abgerechnet.

In seinem GOZ-Reformentwurf hat Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zur Freude der Zahnärzte auf Öffnungsklauseln verzichtet. Dafür erhalten die Dentisten von 2011 an sechs Prozent mehr Honorar. Nach AOK-Berechnungen beschert der geplante Aufschlag den gesetzlich Versicherten pro Jahr Mehrausgaben von rund 280 Millionen Euro.

Infolgedessen will auch die AOK mit Zahnärzten über die Preise von Privatleistungen verhandeln dürfen – um ihren Kunden, wie AOK-Vorstandschef Herbert Reichelt sagt, „günstige Zusatztarife für hochwertigen Zahnersatz anbieten zu können“. Spätestens hier dürfte es bei der privaten Konkurrenz mit der Freude über die Schützenhilfe im Kampf um Öffnungsklauseln vorbei sein. Rainer Woratschka

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