Arabische Welt : Scharfe Reaktionen auf Israels Militäreinsatz

Die israelische Militäroperation gegen die "Solidaritätsflotte für Gaza" ist in der arabischen Welt einhellig und scharf verurteilt worden.

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Der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, sprach von „einem Verbrechen“ und berief für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung nach Kairo ein. Er wertete den Vorfall als Beweis für den mangelnden Friedenswillen Israels. „Wir sehen, dass es keinen Zweck hat, mit Israel über Frieden zu verhandeln“, sagte er während einer Konferenz in Qatar. Der jüdische Staat ignoriere das internationale Recht, „er denkt, dass er über dem Gesetz steht“. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warf Israel vor, ein Massaker angerichtet zu haben und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Ein Sprecher der Hamas-Bewegung forderte weltweit alle Muslime auf, vor die israelischen Botschaften zu ziehen und zu protestieren.

Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, dessen Land ebenso wie Jordanien einen Friedensvertrag mit dem jüdischen Staat hat, sprach von „exzessiver und ungerechtfertiger“ Gewalt. Während es in Kairo ruhig blieb, gingen in Jordaniens Hauptstadt Amman gut 2000 Menschen auf die Straße und skandierten „Nieder mit Israel“ und „Nieder mit der Gaza-Blockade“. Die Demonstranten forderten, Jordanien solle die diplomatischen Beziehungen zu seinem Nachbarn abbrechen und Israels Botschafter des Landes verweisen. Von den knapp sechs Millionen Einwohnern des Königreichs sind die Hälfte Palästinenser. Viele haben Verwandte in Gaza oder in der Westbank.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri und der syrische Präsident Baschar al-Assad warnten bei einem Treffen ins Damaskus gar vor einer Eskalation, die zu einem weiteren Krieg in der Region führen könnte. Hariri bezeichnete den israelischen Militäreinsatz als „gefährlich und verrückt“ und forderte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Die libanesische Hisbollah, dessen Führung sich in den letzten Wochen einen sehr aggressiven verbalen Schlagabtausch mit Israels Regierung geliefert hatte, sprach von „einem Verbrechen gegen die Menschheit“. Der Vorfall addiere sich zu einer langen Liste von Massakern gegen Zivilisten in Palästina und Libanon, erklärte der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah. Zuletzt hatten Israels Armee und die Hisbollah im Sommer 2006 gegeneinander Krieg geführt, ausgelöst durch den Überfall eines Hisbollah-Kommandos auf eine israelische Militärpatrouille.

Auch der wegen seiner manipulierten Wiederwahl umstrittene iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad meldete sich zu Wort und nannte den Waffeneinsatz vor der Küste des Gazastreifens unmenschlich. „Alle diese Handlungen deuten auf das Ende dieses schrecklichen und künstlichen Regimes hin“, sagte Ahmadinedschad nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna. In der Vergangenheit hatte er wiederholt das Existenzrecht des israelischen Staates in Frage gestellt.

 

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