Arabischer Nachrichtensender Al Dschasira : Journalismus oder Politik?

Der arabische Nachrichtensender Al Dschasira muss vermehrt fragen lassen, ob er sich zu einem Instrument einer katarischen, islamistischen Agenda entwickelt hat.

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Journalisten arbeiten in Doha, der Hauptstadt von Katar, in einem Newsroom des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira.
Journalisten arbeiten in Doha, der Hauptstadt von Katar, in einem Newsroom des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira.Foto: dpa

Der arabische Nachrichtensenders Al Dschasira hat nur einen einzigen Eigentümer: den Emir von Katar. Er soll den Sender mit bis zu einer halben Milliarde Euro finanzieren. Gegründet 1996, hat sich das Sendegebiet über den Standort in Doha ausgeweitet, es wird auf Arabisch und Englisch gesendet, seit 2013 existiert Al Dschasira America mit einem großen Newsroom in der US-Hauptstadt Washington. In seiner Anfangszeit arbeiteten zahlreiche ehemalige BBC-Journalisten in Doha, noch mehr Mitarbeiter wurden bei der BBC ausgebildet. Auch damit sollte unterstrichen werden, dass Al Dschasira kein Sprachrohr des Emirs ist, sondern Themen so objektiv wie möglich darstellt.

Das hat nicht allen Regierungen und Regimen dieser Welt gefallen. Im ersten Irakkrieg bombardierte die US- Luftwaffe 2003 das Senderbüro in Bagdad, obwohl der Standort genau bekannt war. Nach dem Sturz von Saddam Hussein verboten verschiedene Nachfolgeregierungen Al Dschasira das Arbeiten im Irak. Ähnliche Aktionen gab es in Libyen und in Bahrain. Al Dschasira entwickelte sich zum Schrecken autoritärer Herrscher, zu jeder einseitigen Darstellung der Staatsmedien wollte der Sender ein Korrektiv sein.

Diese Position änderte sich im Arabischen Frühling, als sich der Sender auch in Ägypten offen auf die Seite der Aufständischen stellte. Ägyptens erster demokratisch gewählter Präsident Mohammed Mursi wurde medial mehr als begleitet. Vom Sender stets und ständig verneint, zog die wachsende Zahl der Kritiker eine Einflusslinie zwischen Mursis islamistischer Muslimbruderschaft und Katar, das die Organisation massiv unterstützt. 2011 trat der Generaldirektor des Senders zurück, ihm folgte ein Mitglied der Herrscherfamilie in Doha, beides geschah ohne Angabe von Gründen.

Mehr und mehr ist Al Dschasira vor die kritische Frage gestellt, ob der Sender selber Meinungsbildung betreibe und ob er sich zu einem medialen Instrument einer katarischen, islamistischen Agenda entwickelt habe. Deutschland-Korrespondent Aktham Sulinam verließ Al Dschasira Ende 2012. Er schrieb in der „FAZ“: „Der Nachrichtensender war der Wahrheit verpflichtet. Jetzt wird sie verbogen. Es geht um Politik, nicht um Journalismus.“


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