Politik : Arbeitsmarkt: Verdi nicht mehr strikt gegen Kombilohn

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Unter dem Eindruck der hohen Arbeitslosigkeit versuchen die Gewerkschaften jetzt offenbar, Konflikte mit der rot-grünen Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik zu vermeiden. Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Franz Bsirske, zeigte sich erstmals bereit, einer bundesweiten Einführung des Kombilohns nach dem "Mainzer Modell" zuzustimmen. "Es ist von den diskutierten Konzepten am ehesten akzeptabel", sagte er zu entsprechenden Diskussionen in der Regierungskoalition.

Bisher hatte Verdi jede Form des Kombilohns entschieden abgelehnt. Das Mainzer Modell werde nur 10 000 bis 15 000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen, die Gefahr von Mitnahmeeffekten sei groß, lautet die Kritik. "Gemessen an den hochgeschraubten Erwartungen droht dem Kombilohn ein Flop", prophezeite Bsirske allerdings. Wirksamer wären zusätzliche öffentliche Investitionen. Dazu müsse die Bundesregierung Programme für die finanzschwachen Kommunen auflegen.

Rückendeckung gibt der Verdi-Chef Kanzler Gerhard Schröder (SPD) beim Bündnis für Arbeit. Bsirske sprach sich entschieden für ein baldiges Treffen aus. Noch im Dezember hatten die Gewerkschaften dieses Ansinnen Schröders zurückgewiesen. "Angesichts der Lage am Arbeitsmarkt ist es sehr wichtig, dass wir gemeinsam Punkte suchen, auf die sich die Teilnehmer verständigen können", forderte Bsirske jetzt. Dabei schließe er nicht aus, dass auch die Tarifpolitik angesprochen werde. "Wir werden niemandem verbieten Themen anzusprechen, die ihm wichtig sind", sagte Bsirske. Beim nächsten Treffen des Bündnisses, das voraussichtlich am 25. Januar stattfinden wird, wollen der Kanzler und die Arbeitgeber auch über die kommende Lohnrunde reden.

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