Politik : Arm, aber demokratisch

Mali gehört in Afrika zu den Vorbildern. Die größte Gefahr droht nicht von Terroristen, sondern vom Wassermangel

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]

NACH DER BEFREIUNG DER SAHARA-GEISELN

Von Wolfgang Drechsler,

Kapstadt

Die Erleichterung ist riesig. Die Dankbarkeit auch. Am Mittwoch lobte der Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog die malische Regierung, die „effizient und hilfreich“ an der Befreiung der Geiseln mitgewirkt habe. „Wir haben dem malischen Präsidenten Touré sehr viel zu verdanken“, sagte er.

Wenn es einen Zusammenhang zwischen der Armut eines Landes und dem Aufkommen terroristischer Gruppen gäbe, wie einige Sicherheitsexperten glauben, müsste Mali dafür ein perfektes Anschauungsbeispiel liefern. Der Sahelstaat im westlichen Afrika gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Mehr als zwei Drittel seiner Bewohner leben unter der Armutsgrenze und die Lebenserwartung im hoch verschuldeten Land liegt bei wenig mehr als 40 Jahren.

Umso mehr überrascht, dass ausgerechnet Mali zusammen mit Ghana und dem Senegal zu den demokratischen Musterländern der Region zählt. Anders als in vielen anderen Staaten Westafrikas ist die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Amtszeiten beschränkt, und die Rolle der Opposition in der Verfassung verankert. Ermutigend ist aber auch, dass die Theorie praktische Anwendung findet. Der langjährige Staatschef Omar Konaré, der nie durch Korruptionsskandale auffiel, ist im vergangenen Jahr freiwillig abgetreten und hat die Macht nach einer fairen Wahl an seinen Nachfolger Amadou Toumani Touré, einen Christen, übergeben. Dies ist umso erstaunlicher, als mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Malis Muslime sind.

Entsprechend gut sind die Beziehungen zum Westen. Dies dürfte auch den persönlichen Einsatz von Präsident Touré bei der Beendigung des Geiseldramas erklären. Allerdings befürchtet die Regierung, dass die Region, in der die Geiseln zuletzt festgehalten wurden, immer mehr zum Rückzugsgebiet radikaler Muslime wird und ihr Rückhalt in der Bevölkerung weiter zunehmen könnte.

Die größte Gefahr für Mali ist jedoch der Wassermangel. Fast das ganze Land ist auf den 4100 Kilometer langen Niger als Trinkwasserspeicher angewiesen. Wegen der extremen Dürre nimmt seine Wassermenge jedoch kontinuierlich ab und könnte auf Dauer die Lebensgrundlage des ganzen Landes unterhöhlen.

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