Politik : Arznei-Report: 4,1 Milliarden Euro verschwendet

Studie hält Einsparungen ohne Qualitätsverlust für möglich

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Berlin (dpa). In Deutschland werden nach wie vor zu viele neue Medikamente verschrieben, die teurer, aber nicht wirksamer als herkömmliche Mittel sind. Das zeigt der am Dienstag in Berlin vorgelegte ArzneiverordnungsReport. Die Arzneiausgaben der Krankenkassen sind danach im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 22,7 Milliarden Euro gestiegen. Damit seien Medikamente inzwischen der zweitgrößte Kostenfaktor in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die mit einem wachsenden Milliarden-Defizit kämpft. Zum Ausgabenanstieg hätten vor allem teure Analogpräparate ohne therapeutischen Zusatznutzen beigetragen.

Der Arzneimittel-Anteil an den Gesamtausgaben in Höhe von 143 Milliarden Euro ist den Angaben zufolge seit 1993 um 3,5 Prozent auf 17,4 Prozent gestiegen. Knapp die Hälfte der Zusatzkosten sei auf die 25 umsatzstärksten Arzneimittel entfallen. Von diesen führenden Mitteln seien die Hälfte teure Analogpräparate ohne therapeutischen Zusatznutzen oder Arzneimittel ohne Belege für eine Langzeitwirkung, heißt es in dem Report.

Nach Meinung der Autoren des jährlich vorgelegten Arznei-Reports könnten Ärzte ohne Qualitätsverluste 4,1 Milliarden Euro einsparen, indem sie auf teure Analogpräparate verzichteten und häufiger bewährte und preiswertere Präparate verschrieben. Der Einfluss der Pharmaindustrie müsse eingeschränkt werden.

Nach den Worten von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bestätigten die Zahlen, wie notwendig die Gesundheitsreform sei, die Rot-Grün und Union Ende vergangener Woche im Bundestag verabschiedet haben. Damit gebe es künftig Instrumente, „Ineffizienz und Verschwendung in der Arzeiversorgung“ zu bekämpfen.

Die Gesundheitsreform sieht von 2004 an eine Nutzen-Bewertung von Medikamenten vor. Außerdem sollen die Rabatte, die Pharmafirmen gewähren müssen, von sechs auf 16 Prozent erhöht und Versandapotheken zugelassen werden.

Auf die von Experten geforderte und ursprünglich auch von der SPD angestrebte Positivliste, die die Zahl der zu erstattenden Medikamente auf etwa 20 000 halbieren sollte, wurde im Zuge des Gesundheitskompromisses mit der Union verzichtet.

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