Politik : Atomkonsens: Die Bewährungsprobe (Kommentar)

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Es war kein Duell. Denn dafür sind Frauen viel zu vernünftig. Kämpferische Qualitäten hat Angela Merkel dennoch gezeigt, als sie gestern zum ersten Mal dem Kanzler auf eine Regierungserklärung geantwortet hat. Das Thema, so geht es einer Oppositionschefin nun einmal, konnte sie sich nicht aussuchen. Und auch nicht das Ziel. Das Thema war der Atomausstieg. Kein dankbares Feld. Die Ex-Umweltministerin und überzeugte Kernkraft-Befürworterin Merkel ist in dieser Sache zwar sattel- und prinzipienfest, doch die Union und Merkel sind mit ihrer Haltung in der Bevölkerung isoliert. Merkel konnte es nur darum gehen, bei den eigenen Leute Respekt zu finden. Und es musste ihr darum gehen. Denn nach ihrem steilen Aufstieg zum Publikumsliebling ist es zu still um die Vorsitzende geworden. Die Frage, ob sie sich in der Union auf Dauer durchsetzen kann, ist bei Steuern, Rente und Einwanderung offen - so offen, dass man nicht einmal sicher sagen kann, was Merkel will. Insofern hat Schröder ihr doch ein günstiges Thema geliefert: Hier gibt es keinen Konflikt mit Stoiber und der CSU. Merkel hat ihre Chance genutzt und für die ganze Union gesprochen.

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