Politik : Atomkonsens: RWE-Chef Kuhnt über die Einigung und die Zukunft seiner Branche (Interview)

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Dietmar Kuhnt ist seit 1995 Vorstandschef der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE) und war maßgeblich am Konsens beteiligt.



Hessens Ministerpräsident Koch sagt, Sie hätten die Nerven verloren. Koch sieht durch den Atomkompromiss "schweren Schaden" auf Deutschland zukommen. Sie auch?

Wir haben nach schwierigen Verhandlungen einen für beide Seiten vertretbaren Kompromiss erzielt. Hier hat keiner die Nerven verloren und keinen schweren Schaden hervorgerufen. Im Gegenteil: eine Fortsetzung der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen um die Kernenergie wäre genau dieser schwere Schaden gewesen - und zwar sowohl für die Unternehmen wie für die deutsche Volkswirtschaft.

Die CDU verspricht, im Fall eines Wahlsieges das Gesetz wieder zurückzunehmen. Ist Ihnen das recht?

Es ist nicht an uns, den Wahlsieger der nächsten Bundestagswahl zu küren oder darüber zu spekulieren.

Welches Atomkraftwerkt wird als erstes abgeschaltet? Wann ist Biblis dran?

Wir haben flexible Laufzeiten für die einzelnen Kernkraftwerke vereinbart, aber kein festes Datum festgelegt, wann das erste und wann das letzte Kernkraftwerk vom Netz genommen wird.

Was sagen Ihre Aktionäre zum Kompromiss?

Ich bin mir sicher, dass sich der Aufsichtsrat und auch die Aktionäre nach intensiver Prüfung der Vereinbarung einer Zustimmung nicht verweigern werden.

Wird der Grünenparteitag zustimmen?

Ich mache grundsätzlich keine Prognosen über den Verlauf von Parteitagen. Klar ist: Bündnis90/Die Grünen haben auf Seiten der Regierung intensiv an der gestern verhandelten Einigung mitgewirkt. Es wäre folgerichtig, dann dieser Vereinbarung auch auf dem Parteitag zuzustimmen.

Was sagen Ihre Kollegen zu Ihrem Mülheim-Kärlich-Privileg? Haben sie sich das widerspruchslos gefallen lassen?

Das Laufzeitkontingent, das RWE für den Reaktor Mülheim-Kärlich erhält, ist das Ergebnis einer bilaterialen Abstimmung mit dem Bundeskanzler. Die grundsätzliche Einbeziehung aller 20 deutschen Kernkraftwerke - und damit auch Mülheim-Kärlich - in die Konsensdiskussion ist von den anderen Unternehmen mitgetragen worden.

Werden Sie nun auf alternative Energieerzeugung umstellen? Oder als Händler von französischem und ukrainischem Atomstrom auftreten?

Zunächst haben die deutschen Atomkraftwerke noch einige Laufzeitjahre vor sich. Auch gibt es enorme Überkapazitäten auf dem Europäischen Energiemarkt. Wir werden unseren Weg weitergehen, für Industrieunternehmen Gaskraftwerke zu bauen und zu betreiben. Parallel ersetzen wir wie geplant bestehende Kohlekraftwerke durch neue und noch effizientere Anlagen.

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