Atomkraft : BUND sieht in Atomdebatte "grotesken Irrweg" - Merkel bekräftigt Kurs

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland weist erneut auf die Gefahren der Atomenergie hin und kritisiert die CSU sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die hält es wiederum für unmöglich, bis zum Jahr 2020 komplett auf Strom aus Atomkraft zu verzichten.

BerlinDer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in der neuen Debatte um längere Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke einen "grotesken Irrweg der Politik". Vor allem die CSU mache sich zum Sprachrohr der Stromkonzerne, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Man verkaufe die Bürger für dumm, wenn man die Gefahren der Atomenergie kleinrede und alle Erfahrungen aus Störfällen wie der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl ausblenden wolle. Nach dem "Atomkonsens" von 2002 soll das letzte deutsche Akw 2020 vom Netz.

Merkel für längere Laufzeiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich am Sonntag in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" dagegen erneut für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke aus. "Die Kernenergie ist ein Beitrag für unsere Stromversorgung zu ungefähr einem Drittel. (...) In Bayern werden 60 Prozent des Stroms aus Kernenergie erzeugt. Und das in zwölf Jahren einfach zu ändern, halte ich angesichts der Energiepreise, angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen, für falsch." Merkel warf der SPD vor, die Lösung der offenen Endlagerfrage zu blockieren. "An mir soll es nicht liegen, eine wirklich zielstrebige Erarbeitung zu machen, ob Gorleben geeignet ist oder nicht."

Die bayerische CSU hatte am Samstag auf einem Parteitag in Nürnberg ihr Programm für die Landtagswahl in Bayern am 28. September verabschiedet und darin ausdrücklich eine längere Laufzeit der deutschen Atomkraftwerke gefordert. Weiger nannte dies unverantwortlich. Es sei ein Märchen der Stromkonzerne, dass deutsche Atommeiler sicherer seien als die Kernkraftwerke anderer Länder. "Bei uns kann so etwas wie Tschernobyl genauso passieren."

Der Aufruf des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore zur kompletten Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien hat nach Auffassung der Grünen auch für Deutschland Bedeutung. "Gores ehrgeizige Zielsetzung ist ein willkommener Kontrapunkt in der energiepolitischen Diskussion", sagte Parteichef Reinhard Bütikofer. "Wer nicht zwischen den Risiken von Atom- und Kohlestrategien zerrieben werden will, muss auf die maximale Nutzung erneuerbarer Energien setzen." Gore hatte gefordert, die Stromversorgung in den USA binnen zehn Jahren umzustellen.

Der Vorstandschef des größten deutschen Solarmodulherstellers Solon, Thomas Krupke, kann sich hingegen vorstellen, dass die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert werden. "Atomkraft ist nichts, was meiner Ansicht nach forciert werden sollte, weil es gefährlich ist. Die Verlängerung der Atomkraftwerke kann aber eine Zwischenlösung sein", sagte Krupke dem Tagesspiegel. Denkbar sei ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren. (nal/dpa)

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