Atomkraftwerke : Schwere Vorwürfe gegen Vattenfall

Der Energieversorger Vattenfall, Betreiber der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel, sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt. So ist die Akw-Gegnerin und Grünen-Politikerin, Bettina Boll, überzeugt, dass der Energiekonzern Dossiers über Personen angelegt hat, die mit dem Unternehmen zu tun haben.

Dieter Hanisch[Kiel]

Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Buckow hat gegenüber dem Tagesspiegel am Dienstag die Vorwürfe zurückgewiesen, räumte jedoch ein, dass eine Mitarbeiterin in Eigenregie ohne Wissen und Veranlassung anderer Stellen des Unternehmens in einem Einzelfall über zwei Personen entsprechende Vermerke gefertigt habe. „Diese Person ist noch bei Vattenfall beschäftigt, aber nicht mehr in ihrem bisherigen Arbeitsumfeld bei Vattenfall Europe Nuclear Energy“, sagte Meyer-Bukow. Über möglicherweise anstehende betriebliche Sanktionen nach Bekanntwerden des Vorfalls wollte die Pressesprecherin keine Auskunft geben.

Hintergrund des bei Bettina Boll aufgekommenen Misstrauens ist ein anonymes Schreiben, das sie am 4. Juni in ihrem Hausbriefkasten fand. Dort lag ein Papier mit einer verkleinerten Antwort, die sie dem Vattenfall-Büro in Hamburg am 27. Mai zugefaxt hatte. Es ging um die Teilnahmebestätigung an einer internen Informationsveranstaltung für Kommunalpolitiker und Verwaltungsvertreter im Infopavillon des zu dem Zeitpunkt kurz vor dem Wiederanfahren stehenden Atommeilers in Krümmel. Dazu vermerkt wurde auf dem anonymen Schreiben nebst Heftklammerspuren und Aktenlochung eine Beobachtung zum Charakter Bolls: „argumentiert rein emotional, ausschweifende Wortbeiträge, muss nach 1–2 min ermahnt werden, ‚kein Kommentar, Frage bitte‘“.

Im unteren Teil des Schriftstücks, das dem Tagesspiegel vorliegt, tauchen dazu noch Informationen über Sabine Brosowski auf, die sich in der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch als stellvertretende Vorsitzende engagiert. Die Darstellung stammt von Brosowskis Internetseite. Die SPD-Kreistagsabgeordnete aus Marschacht (Kreis Harburg), also von der gegenüberliegenden Elbseite Krümmels, hat von Anfang an nicht an einen Zufall gedacht, weil sie alphabetisch direkt hinter Boll einzulisten war. Auf einer neuerlichen internen Informationsveranstaltung Vattenfalls am Dienstagabend machte Boll diesen für sie mysteriösen Vorgang vor anderen Kommunalpolitikern öffentlich. Vattenfall-Pressesprecherin Barbara Meyer-Bukow sicherte daraufhin noch vor Ort eine Prüfung der Angelegenheit zu. Sie betonte, dass solche Dossiers in ihrem Unternehmen nicht existierten.

Boll ist sich mit ihrer Schuldzuweisung gegenüber Vattenfall deshalb so sicher, weil das verkleinerte Antwortfax nach ihren eigenen Worten ausschließlich an den Energiekonzern gegangen sei. Sie hatte ausdrücklich versichert, dass das Fax von ihrer Seite nicht in andere Hände gelangt sei. Auch Brosowski hatte an der Veranstaltung am 4. Juni teilgenommen, sich zuvor allerdings nur mündlich angemeldet.

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