Atomstreit : Iran stimmt Urananreicherung im Ausland zu

Bewegt sich Iran im Atomstreit? Urananreicherung könne laut Teheran künftig in Russland stattfinden, zudem will man Inspekteure in die neue Atomfabrik lassen.

Die Genfer Gespräche zwischen Iran, den fünf UN-Vetomächten und Deutschland haben nach Ansicht der USA die Chancen auf bessere Beziehungen eröffnet. Ein Mitarbeiter der US-Regierung sagte, Iran habe als wichtige Geste "im Prinzip" zugestimmt, seine Urananreicherung nach Russland zu verlagern. Das Material, das in die Islamische Republik zurückgesandt werde, könnte in Kernkraftwerken, nicht aber für den Bau von Atomwaffen verwendet werden.

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana teilte zudem mit, Iran habe die volle Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA angekündigt. Die Regierung in Teheran sei bereit, die kürzlich aufgedeckte Anreicherungsanlage in Kom inspizieren zu lassen. Dazu würden in den kommenden zwei Wochen Vertreter der IAEA eingeladen. Ein US-Diplomat sagte, Behörden-Chef Mohamed ElBaradei werde bereits am kommenden Wochenende nach Iran reisen.

Allerdings schränkte der iranische Unterhändler Said Dschalili ein, Iran bestehe auf seinem Recht zur Atomforschung. Das Land werde dabei aber seinen Verpflichtungen gemäß des Atomwaffensperrvertrags nachkommen.

Gestern hatten die UN-Vetomächte sowie Deutschland in Genf mit Dschalili über das iranische Atomprogramm gesprochen. Es war das erste Treffen zwischen der Sechsergruppe und Iran seit mehr als einem Jahr. Beide Parteien nannten die Gespräche produktiv und vereinbarten eine Fortführung der Treffen bis Ende Oktober. US-Präsident Obama sagte in Washington, nun müssten aber seitens Iran Taten folgen. Die Geduld der USA sei "nicht unbegrenzt". Er betonte jedoch mehrmals das Recht Irans auf die friedliche Nutzung von Nukleartechnik.

Am Rande der Verhandlungen in Genft trafen sich auch Unterhändler Dschalili und US-Staatssekretär William Burns einem – seltenen – Gespräch. Es war das höchstrangige bilaterale Treffen, seit die USA vor mehr als 30 Jahren die diplomatischen Beziehungen zu Iran abbrachen.

Die Atomgespräche dienen auch dazu, innerhalb der Sechsergruppe die Haltung zur zweiten Urananreicherungsanlage in Kom auszuloten. Diplomaten sagten, dass China und Russland die Bedenken des Westens teilten. Russland und China wollten nicht, dass der Iran über Atomwaffen verfüge, sagte ein westlicher Diplomat.

Der Westen verdächtigt den Iran, nach Kernwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist dies zurück. Im Gespräch sind neue Sanktionen, sollte der Iran nicht einlenken. Die USA und Israel haben in dem seit Jahren anhaltenden Streit einen Militärschlag nicht ausgeschlossen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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