Atomwaffen : Putins Botschaft an Obama

Russland und USA vor Abrüstungsgesprächen: Moskau will nach den Worten von Wladimir Putin auf Kernwaffen verzichten –aber nur, wenn das auch andere Staaten tun, die offiziell oder inoffiziell in deren Besitz sind.

Elke Windisch[Moskau]

Russland, das die Atombombe weder erfunden noch eingesetzt habe, würde einen derartigen Verzicht nur begrüßen. Putin reagierte damit auf die Frage eines deutschen Journalisten, der Bundesaußenminister FrankWalter Steinmeier bei dessen Besuch in Moskau begleitete. Der SPD-Kanzlerkandidat war auch mit Präsident Dmitri Medwedew und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zusammengetroffen.

Eigentlicher Adressat der Botschaft Putins war indes nicht der deutsche Außenminister, sondern US-Präsident Barack Obama, der im April die Vision einer atomwaffenfreien Welt beschworen hatte. Obama wird Moskau in vier Wochen besuchen. Bei seinem ersten Gipfel mit Medwedew wird es vor allem um atomare Abrüstung und Rüstungskontrolle gehen. Experten beider Seiten verhandeln derzeit mit Hochdruck, um den Politikern die Rohfassung eines Folgeabkommens für den im Dezember auslaufenden Start-1Vertrag zur Begrenzung strategischer Rüstungen vorlegen zu können. Gemeint sind Kernsprengköpfe und deren Träger: land-, see- und luftgestützte Langstreckenraketen.

Der 1991 kurz vor dem Ende der Sowjetunion unterzeichnete Start-1-Vertrag sorgte dafür, dass Moskau wie Washington ihre Abschreckungspotenziale allmählich um 70 Prozent reduzierten. Zum 1. Januar 2009 hatte Russland etwa 800 Raketen und knapp 4000 Sprengköpfe, Washington – U-Boote und strategische Bomber mitgezählt – 1200 Träger und etwa 5500 Gefechtsköpfe. Auf den ersten Blick scheint es daher, dass Washington leicht überlegen ist. Addiert man jedoch Ladung und damit Gewicht der Gefechtsköpfe, bringt Moskaus Arsenal gegenwärtig rund 600 Tonnen mehr auf die Waage.

Für ein Folgeabkommen peilen beide Seiten Obergrenzen von 1500 Sprengköpfen pro Seite an. Das ist nur realistisch, wenn es gelingt, ein ähnlich effizientes Kontrollsystem wie beim Start-1Vertrag auszuhandeln. Das dürfte angesichts des Misstrauens, das Putin und George W. Bush in den acht Jahren ihrer Präsidentschaft aufgetürmt hatten, nicht einfach werden. Ihre Nachfolger sind jedoch zum Erfolg verdammt. Zusammen verfügen Russland und die USA über 90 Prozent der Atomwaffen weltweit. Scheitern sie bei der Rüstungskontrolle, scheitert auch die Konferenz zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen 2010.

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