Politik : Attentäter doch ohne Kontakte zu Al Qaida

Matthias Thibaut

London - Die beiden Londoner Bombenanschläge im Juli hatten nach dem bisherigen Erkenntnisstand von Scotland Yard keine Verbindung miteinander. Dies berichtete am Wochenende der „Independent“. Damit wird zunehmend auch die ursprüngliche Annahme fraglich, die Anschläge seien von einem „Terror Mastermind“ mit Al-Qaida-Verbindungen zentral gesteuert worden.

Inzwischen geht die Polizei von folgendem aus: Der als „Mastermind“ verdächtigte, in Sambia verhaftete Brite Haroon Rashid Aswat hat mit dem Anschlag nichts zu tun. Auch die Unschuld des ägyptischen Chemikers Magdi Mahmoud al-Nasher wird akzeptiert. Obwohl zwei der Bomber vom 7. Juli in Pakistan waren und dort möglicherweise eine Ausbildung erhalten haben, scheint der älteste der Bomber, Mohammed Sidique Khan, der Anstifter und Rädelsführer der Gruppe gewesen zu sein. Seine Mitverschwörer warb er nicht in einer Moschee an, sondern in einem Fitness Centre. Bei den Attentätern vom 21.Juli dürfte es sich um Nachahmer ohne Verbindung zu internationalen Terrorkreisen handeln.

Die Erkenntnis, dass beide Terrorzellen vermutlich ohne äußere Anstöße gebildet wurden und autonom operierten, erfüllt die britische Antiterrorpolizei mit besonderer Sorge. Keine der Gruppen war vom „Radar“ der Geheimdienste erfasst. Es steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ähnliche Gruppen unentdeckt bleiben, die ähnliche Anschläge planen. Besorgniserregend sei, dass die Sprengsätze so primitiv waren. „Sie konnten diese Bomben ohne jede Hilfe aus dem Ausland machen“, zitiert die „New York Times“ einen Polizeiexperten. Bauanleitungen finden sich im Internet.

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