Attentat : Drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erschossen

Bei einem Anschlag auf einen deutschen Militärposten in Afghanistan sind drei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Der Angreifer war afghanischer Soldat.

Ein Soldat des deutschen ISAF-Kontingents in Afghanistan (Archivfoto vom 05.10.2008)
Ein Soldat des deutschen ISAF-Kontingents in Afghanistan (Archivfoto vom 05.10.2008)Foto: dpa

Ein afghanischer Soldat hat am Freitag auf deutsche Soldaten in ihrem Außenposten Nord (OP North) geschossen. Drei Männer starben, zwei schwebten am Abend noch in Lebensgefahr. Die Soldaten waren zuvor in Regen in Niederbayern stationiert. Noch am Vortag hatte Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) sich in dem Stützpunkt in der Provinz Baghlan aufgehalten, der zu den gefährlichsten der Bundeswehr gehört.

Am späten Nachmittag wurde zudem eine Patrouille acht Kilometer nordwestlich des regionalen Wiederaufbauteams bei Kundus angegriffen. Dabei wurden vier Soldaten verwundet. Bei keinem Soldaten bestehe Lebensgefahr, hieß es.

Der Hergang des Zwischenfalls im OP North kam erst nach und nach ans Tageslicht. Über den Schützen wurde nichts Genaueres bekannt. Fakt ist aber, dass er zur Außensicherung des Camps eingesetzt war, in dem rund 500 deutsche Soldaten leben, und dass er bislang nicht aufgefallen war. Hat sich der Afghane das Vertrauen der Deutschen erschlichen, um dann zuzuschlagen? Handelte es sich vielleicht um einen Taliban, der die Uniform und Arbeit als Soldat nur als Tarnung nutzte? Auf diese Fragen gab es keine gesicherten Antworten. Auch der Schütze ist tot.

Das stark befestigte Lager „Observation Point North“ liegt etwa 70 Kilometer südlich von Kundus. Da der Stützpunkt derzeit ausgebaut wird, halten sich viele afghanische Arbeiter und Soldaten dort auf. Das „OP North“ spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Ausbildung afghanischer Soldaten. Die Bundeswehr soll mit der afghanischen Armee operieren, damit die einheimischen Kräfte selbst Verantwortung übernehmen können. Dieses so genannte Partnering soll den Weg für einen Abzug der Internationalen Schutztruppe Isaf bereiten. Bei dem seit 2001 laufenden Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan starben bislang 47 deutsche Soldaten, 29 bei Gefechten oder Anschlägen.

Zum offiziellen Auftakt des „Partnering“ im Herbst gab es Berichte der Bundeswehrsoldaten über Anlaufschwierigkeiten. Die Zusammenarbeit mit der Nationalarmee wurde als schwierig bezeichnet. Die deutschen Soldaten erzählten zum Teil haarsträubende Geschichten: dass sie von afghanischen Soldaten bestohlen wurden, dass die Afghanen nicht pünktlich seien. Einige deutsche Soldaten sprachen sogar davon, dass die Afghanen als Partner völlig unberechenbar seien. Allerdings soll sich die Zusammenarbeit von Isaf-Kräften mit den Afghanen bei gemeinsamen Operationen gegen die Taliban in den vergangenen Monaten verbessert haben. Guttenberg sah am Freitag keinen Grund, das „Partnering“ grundsätzlich infrage zu stellen. Jedoch zog er die bittere Schlussfolgerung, dass dieses Miteinander auch Risiken birgt.
Derweil wurden bei einem Selbstmordanschlag in der Provinz Khost im Osten mindestens neun Menschen getötet, überwiegend Zivilisten. Dutzende Menschen seien verletzt worden. (dpa/rtr)

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