Auch 87 Tote : Tausende Patienten werden Opfer von Ärztefehlern

Falsche Behandlungen, nicht entdeckte Leiden, verkehrte Diagnosen: Pfuschen Mediziner, haben Patienten erstmal das Nachsehen. Gutachter machen dafür vor allem die Arbeitsbedingungen verantwortlich.

Wer falsch behandelt wird, kann schwere gesundheitliche Schäden erleiden. Foto: dpa
Wer falsch behandelt wird, kann schwere gesundheitliche Schäden erleiden.Foto: dpa

Trotz aller Bemühungen um mehr Sicherheit in der Medizin werden tausende Patienten in Deutschland Opfer von Ärztefehlern. Allein die Gutachterstellen der Ärzteschaft stellten im vergangenen Jahr bei 2199 Patienten falsche Diagnosen oder Behandlungen fest. 87 Patienten starben daran. Das geht aus der jüngsten Statistik der ärztlichen Gutachterstellen und Schlichtungskommissionen hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Doch insgesamt ist das Problem weit größer.

Mit Ärztepfusch und -fehlern sind nämlich noch andere Gremien befasst. Insgesamt beanstanden Patienten nach Schätzungen jährlich in rund 40 000 Fällen ihre Behandlung bei den Schlichtungsstellen sowie Gerichten, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen und Haftpflichtversicherern. In jedem vierten Fall bekamen sie Recht, meinte der Vorsitzende der Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzte, Andreas Crusius.

Crusius machte den zunehmenden Druck der Ärzte verantwortlich. „Der Patient muss in immer kürzeren Zeiträumen durchgeschleust werden - und da können Fehler passieren“, sagte er.

Am häufigsten wenden sich Patienten an die unabhängigen Gutachterkommissionen mit Verdacht auf falsche Behandlungen von Knie- und Hüftarthrose, von Brüchen und von Brustkrebs. Nervenschäden mit Gehbehinderungen, die nach dem Einsetzen künstlicher Gelenke eine erneute Operation nötig machen, zählten ebenso dazu wie falsch eingesetzte Prothesen oder Prothesenteile, erläuterte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern, Johann Neu. Die meisten Beanstandungen kamen von Patienten im Krankenhaus.

Insgesamt beschwerten sich 11 016 Patienten allein bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzte. Im Jahr zuvor waren es 44 weniger. Die Zahl der Beschwerden wird nach Einschätzung der Ärzte noch zunehmen, weil die Bundesregierung die Patientenrechte per Gesetz stärken will. „Ich denke schon, dass eine erhöhte Inanspruchnahme die Folge sein wird“, sagte der Ärztliche Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin, Walter Schaffartzik.

Crusius wies aber auch darauf hin, dass die allermeisten Behandlungen lupenrein abliefen. Die Fehler müsse man in Verhältnis setzen zu den immerhin 400 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr.

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