Politik : Auf eigene Rechnung

In der FDP-Zentrale kommt Möllemanns neuer Angriff auf Friedman nicht gut an – Parteifreunde sehen ihn isoliert

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Von C. Böhme, R.von Rimscha,

A. Sirleschtov und J. Zurheide

Zunächst schien Jürgen Möllemann Recht zu behalten. „Das sind die üblichen Verdächtigen“, kommentierte er Meldungen, nach denen sich führende Liberale über seine jüngste Attacke gegen Michel Friedman aufregen. Otto Graf Lambsdorff polterte los, Wolfgang Gerhardt schimpfte und auch Guido Westerwelle distanzierte sich, wenn auch nicht mit so harten Worten. Aber auch in Nordrhein-Westfalen regte sich Widerstand. Andreas Pinkwart, sein Stellvertreter, sagte offen, dass er nichts vom Inhalt der Postwurfsendung des FDP-Landeschefs hält, mit der Möllemann fünf Millionen Haushalte zwischen Rhein und Weser von der liberalen Sache überzeugen will. Der Wuppertaler FDP-Ortsverband forderte indirekt den Rücktritt. Der Düsseldorfer Regierungschef Wolfgang Clement (SPD), der zuletzt angedeutet hatte, mit der FDP koalieren zu können, schüttelte fassungslos den Kopf: Nicht mit Möllemann an der Spitze, heißt es jetzt.

Im Gegensatz zum ersten Streit mit Friedman vor wenigen Wochen hat sich bis jetzt noch niemand öffentlich auf die Seite von Möllemann gestellt. Er steht alleine mit der Einschätzung da, das Faltblatt spiegele die Beschlusslage der FDP wider. In dem Prospekt hatte Möllemann Friedman vorgeworfen, dass er das Vorgehen des israelischen Regierungschefs Scharon gegen die Palästinenser verteidige undf ihn, Möllemann, als „antisemitisch“ abstemple.

Selbst bei Möllemanns Freunden herrscht Entsetzen. „Natürlich hat der das bewusst jetzt auf den Markt gebracht. Das ist widerlich“, urteilt einer aus dem Vorstand. Möllemann hatte über seine Absicht in keinem der Parteigremien geredet. „Wir hätten das nicht finanziert“, heißt es dazu, „ und zwar nicht nur, weil wir kein Geld haben“. Möllemann sagte dazu nur schmallippig: „Ich habe das aus eigenen Mitteln und Spenden bezahlt.“ Wer ihm geholfen haben könnte, will er nicht offen legen.

FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper wollte eigentlich gar nichts mehr zu Möllemann sagen. Die Frage, ob die Parteispitze auf Möllemanns „private Initiative“ vorbereitet gewesen sei, beantwortete sie mit „Nein“. Zwar gab Pieper es nicht zu, aber die Stimmung in der Berliner Parteizentrale war auf dem Nullpunkt. Eigentlich wollte man die letzten Wahlkampftage dazu verwenden, die Pläne der FDP zur Steuersenkung und zum Job-Aufbau öffentlich zu diskutieren. „Und nun beherrscht der Möllemann wieder alle Schlagzeilen“, murrte ein Liberaler. Aber Möllemann legte noch nach: In der „Welt“ forderte er eine Entschuldigung Friedmans, weil der öffentlich gesagt habe, die Ermordung von Menschen beginne „mit Worten wie denen Martin Walsers oder Jürgen Möllemanns“.

Der Zentralrat der Juden hat keinen Zweifel, dass Möllemann mit dem neuen Angriff Stimmen am rechten Rand sammeln will. Und der Zentralrat hält es für möglich, dass er Erfolg haben könnte. Denn schon die Antisemitismusdebatte vor ein paar Monaten habe der FDP in den Umfragen zumindest für kurze Zeit ein deutliches Plus beschert.

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