Politik : Auf nach Wien

Haider will nach dem Rücktritt des FPÖ-Vorsitzenden Reichhold wieder zurück in die Bundespolitik

Paul Kreiner[Wien]

Nach dem Rücktritt von FPÖ-Chef Mathias Reichhold zieht es den ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider wieder in die Bundespolitik. Gut drei Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Österreich räumte Mathias Reichhold den Chefsessel bei der FPÖ wieder und auch die Position des Spitzenkandidaten. Er ließ mitteilen, die Ärzte hätten ihm Schonung angeraten; die FPÖ brauche aber „in der Intensivphase des Wahlkampfes einen voll einsatzfähigen Spitzenkandidaten und Parteiobmann“. Der 45-jährige Bauer und Verkehrsminister Reichhold liegt mit verschleppter Angina und Anzeichen einer Herzmuskelentzündung im Spital. Erst vor sechs Wochen war er zum Parteichef gewählt worden.

Formell ziehen die Freiheitlichen nun mit Sozialminister Herbert Haupt als Spitzenkandidat in die Wahl; faktisch aber wird Jörg Haider den Ton angeben. Denn anders als Reichhold, der dem Kärntner Landeshauptmann keinen Platz auf der Bundeswahlliste der FPÖ hatte zugestehen wollen, erklärte Haupt, ein Mann, der die Partei so erfolgreich geführt habe, sollte „klarerweise auf der freiheitlichen Liste erscheinen“. Der 55-jährige Tierarzt Haupt gilt seit Jahrzehnten als enger Gefolgsmann Haiders; als er nach dem Rücktritt von Parteichefin Susanne Riess-Passer Mitte September für wenige Tage Spitzenkandidat der FPÖ gewesen war, hatte er sich als „Übersetzer und Erklärer der Ideen Haiders“ vorgestellt.

Haider und seine Paladine in der Kärntner FPÖ waren mit Reichhold alles andere als zufrieden gewesen. Sie verweigerten ihm eine Abbildung auf ihren Wahlplakaten; auf die Beschwerde Reichholds und seine Versuche, als FPÖ-Chef selbstständig zu werden, reagierte Haider mit dem Satz: „Er soll uns nicht kritisieren, sondern sich bei seinen Freunden Rat holen.“ Parteifunktionäre, auch wenn sie das Wort „Mobbing“ nicht in den Mund nehmen wollen, geben zu, dass Reichhold bewusst alleine gelassen worden sei; nach einigen verpatzten Wahlkampfauftritten sei über ihm Kritik und Häme ausgegossen worden.

In den vergangenen Tagen war in einigen Landesverbänden der Ruf nach einer Rückkehr Jörg Haiders laut geworden. Haider sei der Einzige, „der in der schwierigen Situation das Ruder noch einmal herumreißen könnte“, sagte beispielsweise der niederösterreichische Parteisekretär Franz Marchat. Die FPÖ dümpelt in den Umfragen bei etwa 13 Prozent; bei der Wahl vor drei Jahren hatte sie 26,9 Prozent erreicht und war zum ersten Mal – mit exakt 415 Stimmen Vorsprung vor der ÖVP – zweitstärkste Kraft hinter den Sozialdemokraten geworden.

Bereits seit Tagen meldet sich nun Haider mit gewohnt derben Interviews zu Wort. So lenkt er vom hausgemachten Debakel der FPÖ ab und zieht über den Koalitionspartner her. Haider klagte den „treulosen“ Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an, der ohne ihn in der „politischen Gruft“ versunken wäre, dass dieser mutwillig die Koalition gebrochen habe: „Seine Kälte ist offenbar so brutal, dass er bereit ist, über Leichen zu gehen.“

Auch mit der zurückgetretenen Parteiführung um Susanne Riess-Passer rechnet Haider ab. Das seien nicht nur „Schwächlinge“, die „einer Partei, der sie alles zu verdanken haben, davonlaufen“; vielmehr streut Haider auch den Verdacht, die ehemalige Vize-Kanzlerin Riess-Passer, Verteidigungsminister Herbert Scheibner und Finanzminister Karl-Heinz Grasser hätten sich bei der Beschaffung von Abfangjägern kaufen lassen. In diesem Zusammenhang gebe es „absolut“ strafrechtliche Tatbestände, behauptet Haider, allerdings ohne Details zu nennen.

Zuletzt hatte er angekündigt, die FPÖ nach der erwarteten Wahlniederlage am 24. November zu übernehmen und neu aufzubauen. Das war offenbar der letzte Schritt in der Demontage Reichholds gewesen.

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