Aufstand : Angst vor Massaker in Tibet

Harald Maass

Peking Nach den schweren Unruhen in Tibet weisen Chinas Behörden die letzten verbleibenden Ausländer und Angestellte von Hilfsorganisationen aus dem Hochland aus. Das sagten Mitarbeiter einer europäischen Nichtregierungsorganisation (NGO) am Sonntag dem „Tagesspiegel“. „Alle Mitarbeiter der NGOs sind angewiesen, Lhasa bis spätestens Montag zu verlassen“, so der Europäer.

Beobachter in Tibet fürchten deshalb, dass die Sicherheitskräfte eine militärische Niederschlagung der Proteste vorbereiteten. Am Montag endet um Mitternacht eine von Peking gesetzte Frist, bis zu deren Ablauf sich die Anführer der Unruhen stellen sollen, wollen sie mit Nachsicht und Strafmilderung rechnen. Es wird befürchtet, dass nach dieser Frist Polizei und Militär massiv gegen die Tibeter vorgehen werde. Tibets von China kontrollierte Zeitungen riefen zum „Volkskrieg“ gegen die Demonstranten auf.

Peking hatte nach den Ausschreitungen am Freitag die Region bereits für ausländische Touristen und Journalisten gesperrt. Tibeter, die sich telefonisch bei Medien meldeten, um über die Lage zu berichten, fürchteten Repressalien der Sicherheitskräfte. „Jeder hat Angst vor einem Militärmassaker“, sagte ein Büroangestellter in Lhasa. Augenzeugen berichteten von einem Großaufgebot von Panzern und Militärfahrzeugen in Lhasa.

Dennoch weiteten sich die Proteste von Mönchen und tibetischen Bürgern gegen die chinesische Fremdherrschaft über das Wochenende aus. Am Samstag zogen erneut Tausende durch Lhasas Innenstadt. Einige Demonstranten hätten Feuer gelegt und Schaufenster eingeschmissen. Die Sicherheitskräfte, die in den vergangenen Tagen eher zurückhaltend waren, hätten Anweisung bekommen, zurückzuschlagen. Quellen in Lhasa berichteten, bei den gewaltsamen Randalierern handele es sich vor allem um Jugendliche und Studenten. „Einige der gewaltsamen Demonstranten sind erst 12 oder 13 Jahre alt“, so ein Tibeter.

Die Unruhen griffen zudem auf andere Orte in Tibet und die tibetischen Gebiete in den Provinzen Gansu und Sichuan über. Harald Maass

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