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Außenminister-Treffen : Neues Massaker setzt Syrien-"Freundesgruppe" unter Druck

Nach einem erneuten Massaker syrischer Milizionäre im Dorf Al-Kobeir nahe der Stadt Hama sind die wichtigsten Außenminister der Syrien-„Freundesgruppe“ ratlos. Immer lauter werden die Rufe nach einer militärischen Lösung. Unterdessen geraten auch die UN-Beobachter in Gefahr.

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18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Die kleinen leblosen Körper der Kinder sind mit Eis bedeckt. Die jüngsten Opfer des Massakers von Al-Kobeir sollen dort liegen bleiben, wo sie die letzten schrecklichen Minuten ihres kurzen Lebens verbracht haben. So wollen es die Aktivisten. Sie hoffen, dass die UN-Beobachter die neuesten Gräueltaten der Milizen dokumentieren - damit sich die Weltgemeinschaft entschließt, Präsident Baschar al-Assad mit Gewalt zu entmachten.

Aber auch die UN-Beobachter sind in Gefahr: Bei ihrer Untersuchung eines neuen Massakers in der Provinz Hama sind sie unter Beschuss geraten. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sagte am Donnerstag vor der UN-Vollversammlung in New York, die Beobachter seien auf dem Weg zu den Nachbardörfern Al-Kubeir und Maasaraf angegriffen worden, in denen syrische Regierungstruppen und Milizen nach Opppositionsangaben dutzende Menschen getötet haben sollen. Ban nannte das Massaker „schockierend und widerwärtig“ und erklärte, Syriens Staatschef Baschar al-Assad habe „jede Legitimität verloren“.

Vom Massaker veröffentlichte die Opposition in der Nacht danach die ersten Videobilder. Der Angriff auf den kleinen Weiher außerhalb des Dorfes Marsaf sei nach dem gleichen Muster abgelaufen wie das Massaker von Hula vor drei Wochen, erklären die Aktivisten. Erst bombardierte die Armee eine Stunde lang. Dann wurden aus dem benachbarten Dorf Al-Asile Milizionäre angekarrt, die jeden niedermetzelten, den sie finden konnten.

„In Al-Haffa in der Provinz Latakia lief gestern eine ganz ähnliche Operation. Doch dort gelang es Widerstandskämpfern, mehrere Milizionäre zu verwunden, weshalb die Aktion dann erst einmal abgebrochen wurde“, erklärt ein pensionierter General, der mit der Opposition sympathisiert. Während seiner aktiven Zeit beim Militär hat er mit der Schabiha-Miliz auch selbst Erfahrungen gesammelt: „Sie haben hauptsächlich vom Schmuggel gelebt. Gelegentlich überfielen sie Bauernhöfe und vergewaltigten dort die Frauen.“

Die Nachricht aus Al-Kobeir macht auch im Dolmabahce-Palast in Istanbul die Runde. Hier sitzen gerade die wichtigsten Außenminister der Syrien-„Freundesgruppe“ zusammen, um wieder einmal über einen Ausweg aus der Krise zu beraten. Hillary Clinton ist dabei, Frankreichs neuer Chef-Diplomat Laurent Fabius und Guido Westerwelle – aber kein Vertreter des Schlüsselakteurs Russland.

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