Politik : Austritt wegen Großschreibung

Sprachwissenschaftler Ickler verlässt Rat für deutsche Rechtschreibung

Amory Burchard

Berlin - Der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler hat am Freitag seinen Austritt aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung erklärt. Er protestiere damit gegen die Empfehlungen zur Korrektur der Rechtschreibreform, die der Rat am Montag der Kultusministerkonferenz (KMK) übergeben will, sagte der erklärte Reformgegner dem Tagesspiegel. Ickler gehörte dem Rat als Vertreter des Schriftstellerverbandes PEN an. Der PEN will allerdings weiter im Rat mitarbeiten.

Die Vorschläge zur Groß- und Kleinschreibung hält Ickler für nicht weitgehend genug. So sei es inakzeptabel, dass weiterhin die Großschreibung für Begriffe wie heute Abend und Diät leben gelte. Andere Bereiche seien „aus angeblichem Termindruck“ gar nicht behandelt worden: die Laut-Buchstaben-Zuordnung (Stängel, Gämse) und die Fremdwortschreibung (platzieren, Schikoree).

Einen Termindruck gab es tatsächlich: Die KMK will die Änderungsvorschläge bei ihrer Sitzung Anfang März behandeln, damit sie zum 1. August in den Schulen eingeführt werden können. Ein erster Teil der Reform wurde schon im August 2005 für die Fehlerkorrektur verbindlich. Bei der KMK geht man davon aus, dass die Länderminister alle Empfehlungen – zur Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Silbentrennung und Kommasetzung – absegnen. Allerdings sei es denkbar, die Änderungen für eine bestimmt Zeit von der Fehlerkorrektur auszunehmen, damit sich die Schüler an die für sie neuen Schreibungen gewöhnen können, hieß es gestern.

Der Vorsitzende des Rats, Hans Zehetmair, reagierte gelassen auf Icklers Rücktritt. Der Sprachwissenschaftler habe im 39-köpfigen Rat eine Minderheitenposition vertreten und sich als „nicht kompromissfähig“ erwiesen. Alle Empfehlungen seien mindestens mit Zweidrittelmehrheit beschlossen worden. Unterdessen begrüßte der Springer-Verlag die Empfehlungen. Man wolle im Laufe des März prüfen, ob man nun eine „reformkonforme Rechtschreibung“ in den Verlagsprodukten übernehmen könne.

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