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Auszählung der Kommunalwahl : AfD in Hessen doch nicht ganz so stark

Die endgültigen Einzelergebnisse aus Hessen zeigen: Die AfD kommt meist auf geringere Stimmanteile als beim Zwischenstand. Bleibt sie damit drittstärkste Kraft?

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Aufwändiges Auszählen: Kommunalwahl in Hessen.
Aufwändiges Auszählen: Kommunalwahl in Hessen.Foto: dpa

Die AfD (Alternative für Deutschland) hat in Hessen bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag nicht ganz so gut abgeschnitten, wie es sich am Tag nach der Wahl abgezeichnet hatte. Das so genannte Trendergebnis vom Montag vermeldete 13,2 Prozent. Dafür wurden freilich nur jene Wahlzettel verwendet, bei denen Wähler nur Listenkreuze gemacht haben – also die Möglichkeit des Kumulierens von Stimmen auf bestimmte Kandidaten oder des Verteilens von Stimmen über Parteien hinweg nicht nutzten. Die mittlerweile eingelaufenen vorläufigen Endergebnisse aus Kommunen und einzelnen Kreisen deuten darauf hin, dass am Ende der Stimmenanteil der AfD geringer sein wird. Darauf hatten am Montag bereits Experten wie Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen hingewiesen.

Das Trendergebnis wirkt verzerrend, weil Protestwähler dazu neigen, ihre Stimmen geschlossen an die Partei zu geben, mit der sie ihrem Unmut Ausdruck geben wollen. Und das war am Sonntag die AfD, in einzelnen Kommunen auch die NPD oder die Republikaner. Zudem machten bisweilen sehr viele Bürger von den Möglichkeiten des Kumulierens und Panaschierens Gebrauch, weshalb der Trend mancherorts nur auf der Auszählung von einem Drittel der Wahlzettel oder weniger beruhte.

In Städten deutlich weniger

In das landesweite Ergebnis fließen nur die Zahlen aus den Landkreisen und Großstädten ein. Hier liegen mittlerweile mehrere vorläufige Ergebnisse vor. In der für das Gesamtergebnis wichtigen Metropole Frankfurt rutschte das AfD-Ergebnis nach der Teilauszählung von 10,3 auf 8,9 Prozent. In Darmstadt ging es von 12,2 auf 9,2 Prozent nach unten. In der Landeshauptstadt Wiesbaden verringerte sich das AfD-Ergebnis von 15,9 auf 12,8 Prozent.

Und in Gießen schnitt die AfD im Trend mit 15,5 Prozent deutlich besser ab als im Endergebnis, in dem jetzt 12,9 Prozent zu Buche schlagen.

Auch die Landkreise sind inzwischen ausgezählt. Im Kreis Bergstraße hatte die AfD mit 18,4 Prozent das beste Trendergebnis geholt. Im Endergebnis sind es noch 15,9 Prozent. Im Kreis Darmstadt Dieburg fiel sie von 14,6 auf 12,9 Prozent, im Landkreis Offenbach von 16,8 auf 14,7 Prozent. Im Kreis Waldeck-Frankenberg hatte das Trendresultat der AfD am Montag bei 12,8 Prozent gelegen. Das Endergebnis liegt nun bei 11,3 Prozent. Der Odenwaldkreis meldete zunächst 14,2 Prozent und dann 12,6 Prozent. Im Landkreis Kassel war das Minus geringer: von 11,5 auf glatte elf Prozent. Nur im Lahn-Dill-Kreis und im Kreis Fulda ging es nach oben. Bei den Wahlen zu den Kreistagen und den Parlamenten der kreisfreien Städte trat die AfD, im Gegensatz zu den Gemeindewahlen, nahezu flächendeckend an. Die Einzelergebnisse deuten nun darauf hin, dass die AfD am Ende in Hessen eher um die 11,5 Prozent haben wird – und damit möglicherweise nicht mehr drittstärkste Partei sein wird. Die Grünen lagen im landesweiten Trendergebnis bei 11,6 Prozent.

Umgekehrt dürften sich die Ergebnisse vor allem der CDU und der SPD noch etwas verbessern. Sie hatten am Montag im Trendergebnis mit jeweils etwa 28 Prozent Kopf an Kopf gelegen. In der endgültigen Abrechnung könnten es näher an die 30 Prozent sein. Am starken Abrutschen der Grünen wird sich kaum noch etwas ändern: Sie waren, nach 18,3 Prozent bei der Wahl 2011 (kurz nach dem Atomunglück von Fukushima), im Trendergebnis am Montag auf 11,6 Prozent gekommen. Immerhin: In Darmstadt blieben sie mit 29,7 Prozent (nach einem moderaten Minus von 3,2 Punkten gegenüber 2011) mit Abstand stärkste Partei. Das endgültige Landesergebnis ist für Donnerstag angekündigt.

14 statt 22 Prozent

Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Trendergebnis und tatsächlichem Ausgang in einer Reihe von Kommunen. Zum Beispiel in Bad Karlshafen. Der Ort war am Montag in den Berichten häufiger genannt worden, weil von dort das höchste AfD-Ergebnis aus den Gemeindewahlen berichtet worden war. Das Trendergebnis lag bei 22,3 Prozent – das vorläufige Endergebnis der AfD ist jetzt aber nur 14 Prozent. Ähnlich in Dietzenbach: Dort lag der Trend bei 19,6 Prozent, am Ende sind es für die AfD aber nur 14,7 Prozent. Oder Volkmarsen: Erst wurden 15,5 Prozent für die AfD genannt, nun sind es in der Endabrechnung 9,8 Prozent.

Dass Protestwähler in der Tat weniger differenziert vorgehen, zeigt auch das Abschneiden der Republikaner in Hanau, wo die AfD nicht antrat. Die Republikaner kamen dort auf 9,6 Prozent, während es im Trendergebnis noch 12,4 Prozent waren. Und in Büdingen, in die Schlagzeilen geraten wegen des dortigen NPD-Ergebnisses, schnitten die Rechtsextremen mit 10,2 Prozent am Ende vier Punkte schlechter ab als im Trendergebnis.

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