Bagdad : Angreifer verschleppen mindestens 25 Menschen

Während einer Versöhnungskonferenz zur Eindämmung der Gewalt im Irak sind bei einer neuerlichen Massenentführung in Bagdad rund zwei Dutzend Männer verschleppt worden.

Bagdad - Die bewaffneten Angreifer hätten mit ihren Geländewagen ein Gebäude des Roten Halbmondes in der Innenstadt umstellt und etwa 25 Männer entführt, sagte ein leitender Mitarbeiter des irakischen Innenministeriums. Regierungschef Nuri al Maliki hatte tags zuvor die Konferenz zur nationalen Versöhnung eröffnet und früheren Militärs aus der Zeit Saddam Husseins die Rückkehr in die Armee angeboten. Der britische Premier Tony Blair sagte Maliki bei einem Besuch in Bagdad seine Unterstützung zu.

Ein Augenzeuge sagte, die Entführer hätten 25 Menschen verschleppt, vor allem Mitarbeiter des Roten Halbmondes. Ein Fotograf berichtete, der Angriff habe sich gezielt gegen das Büro der Hilfsorganisation in der Innenstadt gerichtet. In irakischen Sicherheitskreisen war von knapp dreißig Entführten die Rede. Die Angreifer trugen demnach Militäruniform und verschleppten nur Männer; Frauen nahmen sie nicht mit. Der Rote Halbmond bestätigte die Angaben zunächst nicht. Die irakische Polizei und das US-Militär riegelten das Gebiet ab.

Versöhnungskonferenz gerade erst eröffnet

Regierungschef Maliki hatte am Samstag eine zweitägige Versöhnungskonferenz eröffnet, bei der es vor allem um die Gewalt im Irak gehen sollte. "Die irakische Armee öffnet ihre Türen für Offiziere und Soldaten der Ex-Armee, die ihrer Heimat dienen wollen", sagte Maliki eingangs. Wer nicht eingegliedert werden könne, bekomme vom Staat eine Pension gezahlt. Maliki sagte, die irakische Regierung unterscheide zwischen Mitgliedern der aufgelösten Baath-Partei, "deren Hände nicht mit Blut beschmiert sind", und solchen, die abscheuliche Verbrechen gegen ihre Landsleute begangen hätten.

Nach dem US-geführten Einmarsch im Irak im Frühjahr 2003 hatte die Besatzungsmacht die damalige irakische Armee aufgelöst und zehntausende Baath-Mitglieder aus öffentlichen Ämtern entlassen. Viele der geschassten Sunniten griffen daraufhin zu den Waffen und lehnten sich gegen die neue, überwiegend schiitische Regierung auf. Die Vereinigten Staaten begrüßten Malikis Vorstoß. Die US-Regierung sei "ermutigt" von seiner Rede, erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon Johndroe. Maliki habe sich klar dafür ausgesprochen, einen Irak aufzubauen, "der auf nationaler Einheit und nicht auf individuellen Sekten beruht". Die US-Regierung rufe alle Seiten dazu auf, "einen Kurs der Stabilität und Sicherheit einzuschlagen".

Blair trifft überraschend zu Besuch ein

Blair traf am Sonntag zu einem überraschenden Besuch im Irak ein. Großbritannien werde der Regierung und der Bevölkerung beistehen und wolle dazu beitragen, "dass Ihre Demokratie nicht durch den Terrorismus und durch Sektierertum zerstört wird", sagte Blair. Wenn im Irak das Blut Unschuldiger vergossen werde, so geschehe dies nicht durch die "demokratisch gewählte" Regierung, betonte der Premier. Vielmehr steckten die gleichen Kräfte dahinter, die auf der ganzen Welt Mäßigung, Modernisierung und Meinungsfreiheit "mit Gewalt verhindern" wollten.

Nach seinem Gespräch mit Maliki wollte Blair auch den irakischen Präsidenten Dschalal Talabani treffen. Großbritannien hat im Rahmen der US-geführten ausländischen Truppe 7100 Soldaten im Irak stationiert. Die Polizei fand in Bagdad am Samstag mehr als fünfzig Leichen. Alle Opfer seien Männer, die am selben Tag getötet worden seien, teilten die Sicherheitskräfte mit. Landesweit kamen nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens elf Menschen gewaltsam ums Leben. Bei Iskandarijah südlich von Bagdad starb ein vierjähriges Mädchen, als eine Mörsergranate ein Wohnviertel traf. (tso/AFP)

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