Politik : Bali-Mitwisser verurteilt

Islamist Baschir erhält wegen Anschlagsbeteiligung Haftstrafe von 30 Monaten

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Indonesische Richter haben den radikalen Islamgelehrten Abu Bakar Baschir zu 30 Monaten Haft wegen der Beteiligung an den verheerenden Bombenanschlägen auf der Ferieninsel Bali verurteilt. Die fünf Richter befanden ihn zweieinhalb Jahre nach dem Blutbad mit 202 Toten der Verschwörung für schuldig. Australiens Außenminister Alexander Downer und ein Sprecher der US-Botschaft in Jakarta äußerten sich enttäuscht über die Kürze der Haftstrafe – die meisten Opfer damals waren westliche Touristen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zu Prozessbeginn Anklage in Punkten erhoben, denen bei Schuldspruch die Todesstrafe hätte folgen können. Sie wurden aus Mangel an Beweisen teilweise zurückgenommen, am Ende forderte die Staatsanwaltschaft nur acht Jahre Haft. Durch das noch mildere Urteil der Richter wird Baschir unter Anrechnung seiner Untersuchungshaft spätestens im Oktober 2006 freikommen. Er kündigte Berufung an. So hatte er schon bei früheren Urteilen Haftreduzierung erreicht.

Baschir werden enge Kontakte zum Al-Qaida-Chef Osama bin Laden nachgesagt, den Baschir „einen guten muslimischen Kämpfer“ nennt. Er selbst sei aber friedlich. Der 66-Jährige führt ein Islaminternat, in dem Fundamentalismus gelehrt wird. An allen Terroranschlägen der vergangenen Jahre in Indonesien waren Absolventen der Baschir-Schule beteiligt. Dabei starben seit 2002 mehr als 230 Menschen, fast 500 wurden verletzt. Ziele der Selbstmordattentate waren das Tourismuszentrum der Insel Bali, ein McDonald’s-Restaurant in Makassar und das Marriott-Hotel in der Hauptstadt Jakarta sowie die australische Botschaft. „Wir sehen als bewiesen an, dass der Angeklagte an einem bösen Komplott beteiligt war, das zu Feuer und Tod geführt hat“, sagte am Donnerstag der Vorsitzende Richter Sudarto.

Laut Anklageschrift hatte Baschir im August 2002 die Indonesier Mubarok und Amrozi empfangen. „Falls wir ein Ereignis in Bali haben, was ist Ihre Meinung?“, habe Amrozi gefragt. „Das überlasse ich euch, ihr kennt die Situation vor Ort“, soll Baschir geantwortet haben. Zwei Monate später explodierten auf Bali drei Bomben, eine vor dem US-Konsulat und zwei in Nachtklubs, wo 202 Menschen umkamen. Fast alle Täter wurden gefasst und verurteilt, darunter Mubarok und Amrozi, der als „lächelnder Bomber“ bekannt wurde. Amrozis Todesstrafe ist noch nicht vollstreckt, Mubarok muss lebenslang im Gefängnis bleiben.

Mit dem Schuldspruch für Baschir folgen die Richter der Auffassung der Staatsanwaltschaft, Baschir habe von der Planung eines Anschlages in Bali gewusst und die Tat genehmigt oder zumindest nicht gestoppt. Eine Beteiligung am Anschlag auf das Marriott-Hotel sah das Gericht dagegen nicht. Und über den ursprünglichen Vorwurf, Baschir sei Führer der südostasiatischen Terrorgruppe Jemaah Islamijah (JI), wurde gar nicht mehr entschieden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn fallen gelassen, weil nur ein Zeuge Baschir als JI-Chef identifizierte, während 14 Zeugen das nicht bestätigten.

Baschir war 2002 kurz nach dem Bali-Anschlägen auf internationalen Druck verhaftet worden. Die Regierungen der USA und Australiens sehen den Umgang mit Baschir als Barometer für Indonesiens Ernsthaftigkeit im Kampf gegen den Terrorismus.

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