Politik : Balkenende bleibt Premier in Den Haag

Ruth Reichstein

Den Haag - Es war ein Kopf-an-Kopf- Rennen, aber letztendlich hat es der niederländische Premierminister Jan Peter Balkenende noch einmal geschafft: Zumindest nach den ersten Hochrechnungen sind seine Christdemokraten (CDA) mit rund 41 Parlamentssitzen von insgesamt 150 wieder die stärkste Partei in den Niederlanden geworden. Die Sozialdemokraten liegen mit 33 Sitzen knapp dahinter. Bei den Wahlen vor drei Jahren hatten die Christdemokraten 44 Sitze erobert, die Sozialdemokraten 42.

Balkenende, der mit seinen Anhängern in einem Den Haager Theater feierte, hatte in den vergangenen Monaten kräftig aufgeholt. Noch bei den Gemeinderatswahlen im März des Jahres lagen die Christdemokraten weit hinter der sozialdemokratischen „Partij van der Arbeid“ (PvdA) von Wouter Bos. Die Gewinner des Abends waren die Sozialisten. Sie kamen auf 25 Sitze.

Nun muss Balkenende sich seine Koalitionspartner suchen. Und das könnte schwierig werden. Sozialdemokrat Bos hatte mehrfach erklärt, dass er nicht für den Posten des Vize-Premiers zur Verfügung stehen würde. Beobachter schließen eine große Koalition nach deutschem Vorbild dennoch nicht aus. Am späten Abend war noch unklar, ob es für eine klassische große Koalition reichen würde.

Die Alternative wäre eine Fortführung der bisherigen Koalition mit der rechtsliberalen VVD. Sie kam auf 28 Sitze und ist damit drittstärkste Partei. Den beiden würden dann zwei weitere Koalitionspartner fehlen. In Frage käme zum Bespiel die Union der Christen, die sieben Sitze erreicht hat. Der rechtsliberale Geert Wilders, der sich zum Nachfolger von Pim Fortuyn erklärt hat, kann vermutlich acht Abgeordnete ins Parlament schicken.

Balkenende kündigte an, in den kommenden Tagen Gespräche führen zu wollen. Bisher wollte er sich nicht festlegen, ob er eine Mitte-Rechts oder eine Mitte- Links-Koalition bevorzugen würde. Die Wahlbeteiligung lag bei über 80 Prozent.

Für den Herausforderer Wouter Bos hatte der Tag allerdings unglücklich begonnen. Er konnte in Amsterdam-Nord zunächst nicht wählen, weil ihm sein Wahlschein fehlte. Erst beim zweiten Versuch durfte er sein Kreuz doch noch machen.

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