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Banken öffnen auf Zypern : Wut und Warten

27.03.2013 22:45 Uhrvon , Myria Avraamidou
Widerstand. Seit Tagen protestieren Studenten vor dem Parlament in Nikosia.Bild vergrößern
Widerstand. Seit Tagen protestieren Studenten vor dem Parlament in Nikosia. - Foto: dpa

Die jungen Zyprer kannten nur Wachstum und Wohlstand. Jetzt kaufen sie Trockennahrung und verbringen die Tage vor dem Fernseher. Alle warten auf die Öffnung der Banken – und fürchten sich gleichzeitig davor.

Die Sorge der Zyprer ist groß und sichtbar. Sie steht gleich neben der Autobahn, die von Limassol nach Nikosia führt, in die Hauptstadt: ein riesiges Schild, in den Farben der russischen Flagge, Weiß, Blau und Rot. „Brüder, verlasst uns nicht“, steht darauf geschrieben. Der Immobilienhändler Alekos Vilanos hat das Schild aufgestellt. Sein Vater hat das Unternehmen Ende der 60er gegründet, die Internetseite ist auch auf Englisch aufrufbar – oder auf Russisch. Zyperns zweitgrößte Stadt Limassol ist, das sagen manche Bewohner scherzhaft, „Klein-Russland“.

Es ist nicht so, dass nur die Russen viel Geld hierhergebracht hätten. Das lange währende Wohlergehen der Bewohner ist vor allem dem großen Hafen zu verdanken, einer der größten im Mittelmeer.

Trotzdem bewegte russisches Geld hier viel. Nun bewegt sich in Limassol seit Tagen gar nichts mehr.

Vor Supermärkten und Geschäften sitzen Angestellte und Chefs bei Zigaretten und Kaffee zusammen in der Sonne. Es kommen ja ohnehin kaum Kunden. Und jene wenigen Supermärkte, die auch Kreditkarten akzeptieren, haben längst nicht mehr genug Ware im Angebot, weil sie die Händler nicht bezahlen können. Durch die Straßen fahren weniger Autos als gewöhnlich, denn Tankstellen akzeptieren keine Kartenzahlungen, sondern nur Bargeld – was seit Tagen hier kaum noch jemand in ausreichenden Mengen zur Verfügung hat. Der Stillstand ist quälend. Schlimmer aber ist, dass niemand recht weiß, was nun noch kommen mag.

Seit mehr als zehn Tagen sind die Banken auf ganz Zypern geschlossen. Am vergangenen Dienstag hätten zumindest die kleineren wieder öffnen sollen – und taten es nicht. Dann hieß es: Am Donnerstag öffnen alle Banken wieder, was der Finanzminister am Mittwochabend noch einmal bekräftigte. „Wir haben uns auf das Schlimmste vorbereitet“, erzählt Athos*. Als absehbar war, dass rein gar nichts mehr abzusehen sein würde, ging er gemeinsam mit seinen Freunden in einen Supermarkt und kaufte in großen Mengen ein. „Trockennahrung“, sagt er und lacht. Nudeln und Reis und Babynahrung. „Die Regale in den Supermärkten waren wie leer gefegt“, sagt Athos. Leer gefegt aus Angst. Als die Banken am 16. März schlossen, hob Athos am Automaten ab, was möglich war. Bei 600 Euro lag sein Limit da noch. Später dann wurde die Summe reduziert – bis zuletzt auf 100 Euro. Mehr spuckt derzeit kein Automat mehr pro Kunde aus. 100 Euro täglich, damit kann man kein Geschäft am Laufen halten.

Etwa zehn Tage ist es deshalb auch her, dass Athos das Bauunternehmen, das er gemeinsam mit seinem Bruder führt, schloss. Es kam eh kein Kunde mehr, weil die Menschen dringlichere Sorgen als ihr Hausbau treiben und die zwei ihre Mitarbeiter bei aller Verantwortung nicht fürs Nichtstun bezahlen können. Nach den Osterfeiertagen, wenn sie ihr Geschäft vielleicht wieder öffnen können, werden sie weniger Mitarbeiter haben als zuvor. Manche mussten sie für immer entlassen. „Jeder muss sich jetzt einschränken“, sagt er. Denn mit der Finanzspritze der EU allein könne das Land nicht gerettet werden. „Zehn Milliarden – das ist doch nichts.“

So viel wollen die Finanzminister der Euro-Zone Zypern aus dem Rettungsschirm zukommen lassen. Das Geld soll Staatsanleihen refinanzieren und Haushaltslöcher stopfen. Die Zyprer selbst sollen rund sieben Milliarden Euro aufbringen. Doch anstatt sämtliche Sparer und Anleger auf der Insel zur Kasse zu bitten, um den maroden Staat zu retten, soll nun Zyperns übergroßer Bankensektor umstrukturiert werden. Sonst wird es kein Geld geben, so lautet die Bedingung.

Das ist die Theorie. In der Praxis jedoch kommen die Menschen auf Zypern derzeit schlicht nicht an ihr Geld, weder an ihr Gehalt noch an die Pension oder über Jahre Erspartes.
Das Geld einfach in den Händen halten, es zu Hause verstecken, in Schubladen, Dosen, Kissen. Großmütter und Großväter in Limassol erinnern sich an die Zeiten, als Geld dort am sichersten aufgehoben war. Einer Bank zu vertrauen, mag ihnen schwer gefallen sein. Wie viel schwerer wird es nun?

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Sie waren zusammen im Afghanistan-Einsatz. Jetzt sitzen sie auf entscheidenden Posten im Ministerium. Sie prägen das Bild, das sich die Ministerin macht. Sie bestimmen Ausrichtung, Struktur und Selbstverständnis der Truppe. Welche Folgen hat das für Deutschlands Sicherheit?
Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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