Bayern : Huber gegen Beckstein

Der bayerische Staatskanzleichef Erwin Huber hat überraschend seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten angekündigt. Dabei will die CSU-Spitze einen öffentlichen Kampf um die Stoiber-Nachfolge vermeiden.

München - Früher als von der CSU-Spitze geplant hat das Tauziehen zwischen Bayerns Staatskanzleichef Erwin Huber und Innenminister Günther Beckstein um das Amt des Ministerpräsidenten begonnen. Huber meldete am Donnerstag überraschend seine Kandidatur für die Nachfolge von Edmund Stoiber (CSU) an. Der in den vergangenen Tagen als Favorit gehandelte Beckstein äußerte sich zurückhaltend. Stoiber erklärte beide zu «hervorragenden Kandidaten». Er will ein Gespräch mit Huber und Beckstein führen. Mehrere Abgeordnete in der CSU-Landtagsfraktion erwarten einen mehrwöchigen offenen Machtkampf. Das wollen führende CSU-Politiker jedoch um jeden Preis vermeiden.

Huber sagte der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag), wenn Stoiber nach Berlin gehe, «trete ich an». Im Landtag erklärte er dann, momentan stünden keine Personalentscheidungen an. «Zunächst ist der Gang der Dinge in Berlin abzuwarten.» Nächste Woche werde möglicherweise bereits entschieden, ob es Koalitionsverhandlungen von Union und SPD gebe. Danach würden die Posten vergeben und anschließend die Fragen in Bayern geklärt. «Ich sehe keinen Machtkampf. Die Entscheidung wird in größter Kollegialität fallen.» Beckstein sagte: «Als Betroffener werde ich mich etwas zurückhalten.» Der 61 Jahre alte Franke lehnte eine Antwort auf die Frage ab, ob er für das Amt zur Verfügung stehe.

Stoiber betonte: «Wenn Entscheidungen zu treffen sind, werde ich mit beiden Ministern und weiteren Verantwortlichen vor der Entscheidung der Landtagsfraktion ein Gespräch führen.» Auch CSU- Generalsekretär Markus Söder sagte: «Ich gehe davon aus, dass es eine geschlossene Lösung geben wird.» Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann sagte, es herrsche große Einigkeit, dass es keine Auseinandersetzung wie 1993 geben werde. Damals hatten sich Stoiber und CSU-Chef Theo Waigel ein Duell um das Ministerpräsidentenamt geliefert.

Viele Landtagsabgeordnete bezweifeln, dass die Auseinandersetzung diesmal friedlich ablaufen wird. Zudem zeichnet sich Konfliktpotenzial zwischen Staatskanzlei und Fraktion ab. Mehrere Kabinettsmitglieder erwarten eine Vorentscheidung Stoibers. Das wiederum wollen viele Abgeordnete nicht akzeptieren und pochen darauf, dass die Landtagsfraktion die Entscheidung zu treffen habe. «Der Ministerpräsident hat ein gewichtiges Wort mitzureden, aber die Frage wird noch gestellt werden dürfen», sagte Landtagsvizepräsidentin Barbara Stamm (CSU). (tso/dpa)

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