Politik : Befehl zum Mord

Talibanchef soll Tod der Angestellten von Düsseldorfer Firma angeordnet haben

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Entführungen, Anschläge – die Sicherheitslage speziell in Südafghanistan ist angespannt wie seit langem nicht. Die am Dienstag durch die islamistischen Taliban vermeldete Ermordung von vier Mitarbeitern der Düsseldorfer Firma Ecolog in der Provinz Helmand ist nur Teil einer Kette solcher Vorfälle politischer Gewalt, die den Süden und Osten des Landes getroffen haben.

Schlagzeilen macht der aktuelle Fall vor allem dadurch, dass mit Ecolog ein deutsches Unternehmen betroffen ist. Talibansprecher Ahmadi hatte zudem davon gesprochen, dass ein Deutscher unter den Opfern sei. Dies ist wohl nicht so: Die vier Männer, die ermordet und deren Leichen an einer Straße nahe Kandahar abgelegt wurden, stammen zumindest nach Angaben der Firma aus Mazedonien. Die deutsche Botschaft in Kabul wollte sich nicht zu den Spekulationen äußern, einer der Toten sei Deutscher. Vier afghanische Mitarbeiter, die ebenfalls gekidnappt worden waren, sind wieder frei.

Die auf die Entsorgung von Abwasser spezialisierte Firma Ecolog arbeitet seit geraumer Zeit in Afghanistan. Dass sie auch für US-Streitkräfte und die afghanische Armee Aufträge erledigt, wurde den Mitarbeitern wohl zum Verhängnis. Die Hinrichtung der Geiseln erfolgte nach den Worten Ahmadis auf direkten Befehl von Taliban-Führer Mullah Omar.

Am Tag zuvor waren vier US-Soldaten bei einem Anschlag im Osten des Landes getötet worden, in der Hauptstadt Kabul war eine Bombe explodiert. Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich in die Luft, als die Fahrzeugkolonne des Senatspräsidenten Mojaddedi vorbeifuhr. Die Attentäter und zwei Passanten starben. Die Südprovinzen Helmand und Kandahar gelten als für westliche Ausländer lebensgefährlich. Die Mitglieder des UN- Kontingents in Kandahar leben quasi kaserniert und dürfen sich nur unter schwer bewaffnetem Schutz außerhalb ihres Arbeitskomplexes zu bewegen.

Wer daran schuld ist, dass die Taliban in die Offensive gehen, ist für die Regierung in Kabul keine Frage. Sie beschuldigt Pakistan, die Unruhe im Nachbarland zu schüren und die Taliban zu unterstützen. Mojaddedi sagte, er habe „hundertprozentige Beweise“, dass der pakistanische Geheimdienst ISI hinter dem Attentat auf ihn stehe. Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte zuletzt in ungekannter Schärfe Pakistan angegriffen: Islamabad dulde Ausbildungslager der Taliban in Pakistan und tue zu wenig gegen den Terror, hatte Karsai vor dem Besuch von US-Präsident Bush gesagt.

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