Politik : Bei Anruf Parteitag

NPD bereitet Treffen im Geheimen vor – und ihr Chef behauptet, man unterwandere jetzt die Linkspartei

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Chemnitz Es ist ein bisschen wie Schnitzeljagd. Der Ort, an dem die rechtsextremistische NPD in Sachsen ihren Landesparteitag abhalten will, blieb zunächst ein Geheimnis. Klar war nur: Er findet am Samstag irgendwo in Chemnitz statt. Die Partei, die über zwölf Sitze im Dresdner Landtag verfügt, wollte den Veranstaltungsort erst kurz vor Beginn ihres Treffens bekannt geben – „aus Sicherheitsgründen“, wie es hieß. Wo genau sich die Neonazis mit ihrem Chef Udo Voigt und dem Vorsitzenden der rechtsextremen DVU, Gerhard Frey, trafen, war nur per Anruf beim Pressesprecher der Partei zu erfahren. Die Tagung fand schließlich in Grüna statt.

Am Kulturhaus des Chemnitzer Stadtteils stehen etwa 30 Demonstranten auf der gegenüberliegenden Straßenseite, vornehmlich Grüne, Jusos und Leute von der PDS. Sie haben alle in letzter Minute erfahren, dass sich hier die Rechten treffen. Die PDS-Kreisvorsitzende Christina Pastor demonstriert mit drei Freunden. „Wir wollen zeigen, dass die in Grüna nicht willkommen sind“, sagt sie. Für die Wirte des Kulturhauses hat sie nichts Positives übrig. Das seien zwar rechtschaffene Leute, aber das mit der NPD gehe zu weit. „Die denken eben auch, Geld stinkt nicht“, findet Pastor. Von der PDS hätten dort auch schon Veranstaltungen stattgefunden, aber in Zukunft werde ihre Partei da „etwas zurückhaltender sein“.

In dem stickigen, abgedunkelten Saal sitzen vornehmlich schwarz-weiß gekleidete Männer und ein paar Frauen. Über der Bühne, auf der Voigt und Frey gegen die etablierten Parteien wettern, hängt eine staubige Disco-Kugel.

Voigt behauptet, NPD-Leute unterwanderten derzeit die WASG, die mit der PDS die neue Linkspartei bilden will. „Wir haben von Anfang an Mitstreiter in die WASG geschickt“, sagte er. Genaue Zahlen zu eingeschleusten Mitgliedern wollte er nicht nennen. Es seien Leute unter anderem aus den so genannten freien Kameradschaften und aus dem nationalen Lager platziert worden, sagte Voigt. Das sei logisch, wenn etwas gegen die NPD gegründet werde. Diese Leute sollen dafür sorgen, dass in der WASG rechte Positionen übernommen werden. Außerdem sei es wichtig zu erfahren, was eine Linkspartei plane, die gegründet worden sei, um den Einzug der NPD in den Bundestag zu verhindern. ddp/dpa

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