Politik : Bei der Präsidentschaftswahl in Russland treten Primakow und Luschkow nicht an

Doris Heimann

Für Russlands Interimspräsidenten Wladimir Putin war es nur eine formale Hürde: Nach Prüfung seiner Unterlagen gab die zentrale Wahlkommission jetzt bekannt, dass Jelzins Kronprinz als Kandidat für die Wahlen am 26. März registriert worden ist. Inoffiziell ist damit der Startschuss im Rennen um das höchste Staatsamt gefallen.

15 Bewerber haben ihre Unterlagen für die Zulassung zur Wahl eingereicht. Nach dem russischen Wahlgesetz muss jeder von ihnen 500 000 Unterschriften zur Unterstützung seiner Kandidatur vorlegen. Auch wird die Offenlegung der Einkommens- und Eigentumsverhältnisse verlangt. Die Wahlkommission hat bislang außer Putin drei weitere Bewerber registriert: KP-Chef Gennadij Sjuganow, Alexej Podberjoskin von der linksgerichteten Gruppierung "Spirituelles Erbe" und den Gouverneur der Kohleregion Kemerowo, Aman Tulejew. Über die weiteren Kandidaten wird bis zum Ende dieser Woche entschieden.

Doch bereits jetzt steht praktisch fest, dass Putin von seinen Mitbewerbern im Wahlkampf nichts zu befürchten hat. Denn die einst schärfsten Rivalen von Boris Jelzins Wunsch-Nachfolger warfen allesamt das Handtuch, bevor das Rennen um das höchste Staatsamt überhaupt begann.

Als erstes gab Ex-Premier Jewgenij Primakow auf. Der 70-jährige Führer des Wahlbündnisses "Vaterland - Ganz Russland" galt lange Zeit als Russlands populärster Politiker - bis zu Putins kometenhaftem Aufstieg am Kreml-Himmel. Im aggressiven Duma-Wahlkampf im Dezember wurde Primakow von Jelzin-treuen Medien mit einer Schmutz-Kampagne denunziert. Mit Erfolg: "Vaterland - Ganz Russland" blieb bei der Parlamentswahl mit 13 Prozent der Stimmen weit hinter dem gesetzten Ziel zurück. Bei seinem Rückzug aus dem Rennen ums Präsidentenamt gab Jewgenij Primakow seinen Landsleuten eine nachdenkliche Botschaft mit. "Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich habe erkannt, wie weit unser Land von echter Demokratie und bürgerlicher Gesellschaft entfernt ist."

Auch Jurij Luschkow, Partner von Primakow im Bündnis "Vaterland - Ganz Russland", zog sich zurück. Der ansonsten äußerst dynamische Moskauer Oberbürgermeister musste frustiert erkennen, dass bei der Präsidentschaftswahl ohnehin schon alles entschieden sei: "Die Aufmerksamkeit der Gesellschaft ist auf Wladimir Putin konzentriert." Für die Partei "Vaterland - Ganz Russland" hat nun der Kinoregisseur und Duma-Abgeordnete Stanislaw Goworuchin seine Kandidatur eingereicht.

Aufgegeben hat außerdem ein Mann, den Boris Jelzin einmal als "politisches Schwergewicht" bezeichnete: Ex-Premier Wiktor Tschernomyrdin. Dessen Partei "Unser Haus Russland" ist längst zur traurigen Bruchbude verkommen: Bei der Dumawahl scheiterte die einst als "Partei der Macht" geachtete Truppe mit 1,2 Prozent der Stimmen kläglich an der Fünf-Prozent-Hürde.

Zu den Bewerbern um das Präsidentschaftsamt, deren Unterlagen momentan noch geprüft werden, zählen der Führer der liberalen "Jabloko"-Partei, Grigorij Jawlinskij, und der Ultranationalist Wladimir Schirinowskij. Jüngste Meinungsumfragen räumen den Konkurrenten des amtierenden Präsidenten kaum Chancen ein: Putin kann bereits in der ersten Runde der Wahl mit 53 bis 57 Prozent der Stimmen rechnen.

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