Politik : Beim Klimaschutz ganz vorn

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Die Europäische Union tut sich schwer mit der Einhaltung ihrer Klimaziele. Doch Großbritannien hat seine Kyoto-Zusage, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 um 12,5 Prozent im Vergleich zu 1990 zu vermindern, schon übererfüllt. Es will nun bis 2010 schon bei minus 20 und bis 2050 bei minus 60 Prozent sein. „Großbritannien gibt international die Richtung an“, prahlte Premierminister Tony Blair im Londoner Unterhaus. Doch nicht Blair, der am Dienstag bei einem Abendessen mit Angela Merkel in Berlin über die Erderwärmung beriet, sondern Margaret Thatcher hat Großbritannien zum Klimaschutz gebracht.

Damals galt Großbritannien wegen des sauren Regens als Europas Schmutzfink Nummer eins. Thatcher nahm das Problem sehr ernst, und wurde so zur Grünen. 1988 rief sie den Schutz des natürlichen Gleichgewichts zum großen Thema der Politik des ausgehenden 20. Jahrhundert aus. Sie regte die Gründung des Hadley-Klimaforschungszentrums an, und als im Mai 1990 der erste UN-Klimabericht erschien, warnte sie dramatisch vor der von Menschen verursachten Klimaänderung.

1988 hatte sich das Vereinigte Königreich verpflichtet, seine Schwefeldioxidemissionen bis 2003 um 60 Prozent zu senken. Die Macht der Bergarbeitergewerkschaften war gebrochen, Öl und Erdgas sprudelten unter der Nordsee, die staatliche British Gas war privatisiert, die Energiemärkte liberalisiert, und Stromproduzenten konnten sich Energieträger besorgen, wo sie wollten. So forcierte Thatcher den Ausstieg aus der Kohle.

Seither ist es schwieriger geworden. Großbritanniens Umbau in eine moderne Dienstleistungsgesellschaft kommt der Kyoto-Bilanz zugute, weil schmutzige Jobs nach China verlagert werden. Aber der neue Reichtum bringt neue Emissionen: Die Anteile am internationalen Flug- und Schiffsverkehr haben sich seit 1990 verdoppelt. Würden sie mitberechnet, sähe die britische Bilanz weniger gut aus.

Nach dem Treffen mit Blair am Dienstagabend kündigte Merkel an, sich beim G8-Gipfel in Heiligendamm Anfang Juni um eine Vereinbarung der führenden Industrieländer und Russlands zu bemühen, die Erderwärmung in den nächsten Jahrzehnten auf maximal zwei Grad zu beschränken. Matthias Thibaut

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