Politik : Bergrutsch des Jahres

Die CSU

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Wenn der Berg ins Rutschen kommt, gibt es kein Halten mehr. Und der Berg ist furchtbar ins Rutschen gekommen an diesem 28. November. Das Datum hat alle Chancen, als das neue Jahr null in die Zeitrechnung der CSU einzugehen. Davor galt im Freistaat Bayern das alte Testament des Franz Josef Strauss, das Gebot, keine Parteien neben der einen, einzigen, Christsozialen zu dulden, die Verpflichtung auf 50 plus x. Als in jener Wahlnacht der Prozentbalken bei 43,4 stehenblieb, war das auf einen Schlag Geschichte.

Seither stolpert die Ex-Staatspartei durch ein Gelände, das ihre Karten nicht verzeichnet, weil überall dort, wo ein halbes Jahrhundert hindurch saftige Almen und gut markierte Wege waren, sich ein tückischer Geröllhang entwickelt hat. Der Bergrutsch hat Opfer gefordert, den Kurzzeit-Parteichef, den Kurzzeit-Ministerpräsidenten; bei beiden hat Schubsen nachgeholfen. Auch auf den alten Bergführer mag keiner mehr hören. Auf einmal erinnern sich alle wieder daran, welche falschen Wege er ihnen einst gewiesen hat.

Stattdessen haben sie jetzt einen neuen, ausgestattet mit einer von allen alten Verpflichtungen befreiten Machtfülle, die der Alte zu besten Zeiten nicht hatte. Aber Horst Seehofer verkörpert ja auch eine Wette: Der Bergrutsch, lautet die tröstliche Theorie, war ein Unfall. Die CSU ist keine Volkspartei wie alle anderen, deren Bindungskräfte schwächer werden. Die Freien Wähler sind keine Konkurrenz auf Dauer. Die Fehler, die man selbst gemacht hat, sind zu reparieren. Kurz, es führt ein Weg zurück ins alte gelobte Land, wenn nur der richtige Prophet ihn weist.

Der tut, was und wie er’s kann. Hat die Alten in der Seilschaft ausgewechselt gegen Frische, entzückt die Anhängerschaft mit gewandter Rede und wirft mit Steinen nach der bösen großen Schwesterpartei. Wenn er die Wette gewinnt, wird ihm die CSU ein neues Evangelium widmen. Wenn nicht, reißt er am End’ die große Schwester auch noch mit. bib

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