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Berliner Polizei : Präsidentin auf Bewährung

30.04.2012 00:00 Uhrvon

Es hat sich etwas geändert bei der Berliner Polizei. Manchmal wird dort jetzt auch gelacht. Margarete Koppers führt seit zehn Monaten die Behörde als Vize-Chefin. Und wenn am 1. Mai alles gut für sie läuft, dann könnte sie Präsidentin werden.

Koppers- die unangepasste Karrierefrau

Seit 1980 ist die Rheinländerin schon in Berlin, lebte in Wohngemeinschaften und studierte Jura, bevor sie 1985 in den Justizdienst ging. Damals habe sie auch viel demonstriert, erzählt sie. Die Kreuzberger Krawalle aber hat sie immer nur von der anderen Seite wahrgenommen – als Haftrichterin standen ihr ab 1991 die festgenommenen Randalierer gegenüber.

Koppers, die einmal verheiratet war und sagt, sie habe seitdem „verschiedene Beziehungsmodelle ausprobiert“, macht keinen Hehl daraus, dass sie Karriere machen wollte: „Ich war immer entschlossener, als man vielleicht von Frauen erwartet.“ Anpassung war für sie nie eine Strategie. „Ein bisschen widerspenstig sein kann nicht schaden“, sagt sie. Auch in der Justiz habe sie häufig gegen Vorurteile ankämpfen müssen, dass Frauen intellektuell nicht für die Führungsaufgaben geeignet seien. Sie hätte gerne Kinder gehabt, sagt sie über die Kehrseite ihres Aufstiegs, den Männer immer noch besser organisieren könnten.

Ihren Führungsstil nennt sie „grundsätzlich kooperativ“, was durchaus einen warnenden Unterton hat. Koppers sei „präzise und gelassen“, bestätigen Mitarbeiter, könne aber auch knallhart sein. Freie Wochenenden seien wohl die Tage, an denen sie allein im Büro sei, merkt die Polizeichefin selbstironisch an. Während ihr Vorgänger als ausgeprägter Perfektionist fast alle Entscheidungen an sich zog, gesteht die als extrem arbeitsam geltende Frau ihren Mitarbeitern viel Eigenverantwortung zu. Nicht bei allen kommt aber gut an, dass nun Kreativität und Initiative gewünscht sind, wo Befehle die gewohnte Kommunikationsform waren. Da ist zuweilen zu spüren, dass es nicht nur Anhänger der Quereinsteigerin gibt, die sich ohne gewachsene Seilschaften gegen den Apparat behaupten muss.

In ihrer Behörde zieht sie auch unpopuläre Maßnahmen durch, etwa die neue Arbeitszeitregelung. Trotz des Protestes der Personalvertretung. Auch andere Neuerungen hat sie eingeführt wie jene, sich seit kurzem persönlich um politisch brisante Demonstrationsanmeldungen zu kümmern. Koppers scheute auch trotz Kritik nicht davor zurück, das erst vor Jahresfrist unter viel öffentlichem Lob direkt beim Präsidenten angesiedelte „Büro für Integration und Migration“ einfach dem Landeskriminalamt anzugliedern. Damit habe sie einen „Problemstau“ bei der „innerlich zerstrittenen und uneffektiven“ Arbeitsstelle aufgelöst, wird nun behördenintern gelobt.

Schwierige Termine scheut sie nicht. So saß sie etwa mit am Tisch, als sich vor einigen Monaten eine Gruppe von Juden, Christen und Muslimen zusammenfand, nachdem zwei Moscheen und die Jüdische Gemeinde rechtsextreme Drohbriefe zugeschickt bekamen. Freimütig gesteht sie ein, dass sie einen Vertrauensverlust der Polizei seit der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle spüre. Positiv kommt ihre Selbstkritik an, dass auch ihre Behörde nicht frei von Rassismus sei. Manches tut sie, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Etwa wenn sie sich mit dem Arbeitskreis homosexueller Polizisten trifft, um sich deren Probleme anzuhören.

Eine gute Figur machte sie im Sommer 2011 beim Großeinsatz gegen die Autobrandstiftungen, wo gemeinsam mit Verstärkungen von der Bundespolizei mit der Festnahme eines Serienbrandstifters auch die Welle der Gewalt gestoppt werden konnte. Mit ihrer ruhigen Art trug sie auch dazu bei, dass die Aufregung über die massenhafte Funkabfrage von Handydaten schnell wieder abebbte.

Der 1. Mai könnte das alles kaputtmachen. Endet der Tag mit Gewalt, Straßenschlachten und den Bildern brennender Mülltonnen, hat ihre stille, arbeitsame Empfehlung für das höchste Amt nur noch wenig Bedeutung. Margarete Koppers weiß das. „Immer noch“, hat sie gesagt: „gilt allzu oft: Alles, was Sie falsch machen, machen Sie nur deshalb falsch, weil Sie Frau sind.“

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