Beschneidung : Ärzte warnen vor Laien-OPs

30.06.2012 22:35 Uhrvon
Beschneidung Foto: AFP
Seit 3400 Jahren gibt es die rituelle Beschneidung. - Foto: AFP

In Berliner Krankenhäusern werden religiöse Beschneidungen nach dem Kölner Urteil abgelehnt. Das allerdings könnte unerwünschte Folgen nach sich ziehen, fürchten Kinderärzte.

Nach dem Kölner Beschneidungsurteil befürchtet die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) eine Zunahme ritueller Eingriffe durch nicht ausgebildete Laien. „Wir haben Bedenken, dass es zu einem Beschneidungstourismus in Länder kommt, in denen diese Eingriffe aus religiösen Gründen ohne Einschränkungen erlaubt sind. Auch dürfte es in Deutschland zu einer Zunahme von Beschneidungen durch Nichtmediziner kommen“, sagte Bernd Tillig, stellvertreter Präsident der DGKCH, dem Tagesspiegel.

Das Landgericht Köln hatte am Dienstag die Beschneidung eines minderjährigen Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bezeichnet.

Das Jüdische Krankenhaus in Wedding und das Berliner Vivantes-Klinikum werden nach dem Urteil religiöse Beschneidungen in Zukunft nicht mehr durchführen, wenn die Patienten noch nicht im einwilligungsfähigen Alter sind. Auch die Berliner Charité wird nach Auskunft von Sprecherin Stefanie Winde Beschneidungen aus religiösen Gründen ablehnen.

Die Mediziner hätten bisher ihre Aufgabe darin gesehen, die Kinder vor Komplikationen durch nicht fachgerecht ausgeführte Beschneidungen zu schützen und diesen Eingriff „lege artis“, nach den Regeln der ärztlichen Kunst, durchzuführen, sagte DGKCH-Vize Tillig, der als Chefarzt und Direktor der Klinik für Kinder- und Neugeborenenchirurgie und Kinderurologie am Vivantes Klinikum Neukölln tätig ist. Tillig schätzt die Zahl der bisher jährlich durchgeführten religiösen Beschneidungen im Vivantes-Klinikum auf 20. Eingriffe im Säuglingsalter seien „prinzipiell abgelehnt“ worden.

Nach jüdischem Glauben soll die Beschneidung am achten Tag nach der Geburt stattfinden. Die Beschneidung bei Muslimen als Zeichen der Religionszugehörigkeit wird in der Regel im Kindesalter bis 13 Jahre durchgeführt. Der Eingriff ohne medizinische Indikation erfüllt juristisch den Straftatbestand der Körperverletzung.

Twitter über Obamas Berlin Besuch

Umfrage

Die US-Regierung steht wegen ihrer Internet-Überwachung in der Kritik. Inwieweit fühlen Sie sich davon betroffen?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Todesopfer rechter Gewalt