Politik : Bildersturm in Afghanistan: Buddha-Statue von Bamian enthauptet

Zwei Wochen nach dem Befehl zum Bildersturm in Afghanistan haben die Taliban trotz weltweiter Proteste die größere der beiden Buddha-Statuen in Bamian durch eine Sprengung enthauptet. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Presse-Agentur AIP am Freitag unter Berufung auf "zuverlässige Quellen".

Die Taliban seien dabei, die Treppe an den Statuen mit Sprengstoff zu füllen, um die beiden 55 und 38 Meter hohen Buddhas völlig zu zerstören. Sie waren im 4. und 6. Jahrhundert aus dem Fels gehauen worden. Von der größeren Statue sei nur noch der mittlere Teil erhalten, ihr Kopf sei bereits weggesprengt.

Ein Sprecher der oppositionellen Hesb-i-Wahdat berichtete, dass die Taliban mit Panzern auf die Statuen schössen und Dynamit benutzten. Die Unesco dagegen hatte nach Angaben ihrer Vertreterin in Kambodscha noch keine Hinweise auf die Zerstörung der Buddhas. Unesco-Sprecherin Lyndel Prott versicherte, bislang gebe es laut "einer Reihe von Quellen" in Afghanistan und Pakistan keine Hinweise, dass die Buddha-Statuen bereits vernichtet seien.

Unabhängige Beobachter sind bislang nicht in das Tal gelangt, wo die beiden Buddha-Statuen in Sandstein gehauen stehen. Oppositionssprecher Nadeem sagte, der Zeuge habe die Sprengung der Buddhas "mit eigenen Augen gesehen".

Auf deutsche Initiative sollen die Vereinten Nationen jetzt versuchen, noch nicht zerstörte buddhistische Statuen in Afghanistan zu retten. Ein deutscher Resolutionsentwurf wurde am Freitagnachmittag in der UN-Vollversammlung verabschiedet. Den deutschen Vorstoß unterstützen mehr als 80 Länder. Der Entwurf appelliert an die radikal-islamischen Taliban-Milizen, "das gemeinsame Kulturerbe der Menschheit zu respektieren" und der Zerstörung unersetzlicher Statuen und Monumente Einhalt zu gebieten.

Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar hatte am 26. Februar angeordnet, alle religiösen Statuen zu vernichten, weil sie unislamisch seien. Der Befehl hat in aller Welt Entsetzen ausgelöst, auch in islamischen Ländern. Die Taliban lehnten Angebote von Museen und von Indien ab, kleinere Buddha-Statuen außer Landes zu schaffen.

Der deutsche UN-Botschafter Dieter Kastrup äußerte in New York die Befürchtung, dass sich die Taliban mit ihrem Dekret gegen die archäologischen Schätze noch weiter in der internationalen Gemeinschaft isolieren. Die Zerstörung der Statue sei ein "barbarischer Akt religiöser Intoleranz", sagte Kastrup in New York. Deutschland habe mit dem Vorsitz der Internationalen "Afghanistan Support Group" auch die Verpflichtung übernommen, die Weltmeinung zu mobilisieren, sagte Kastrup.

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