Bildung : Erdogan: Türken müssen schon im Kindesalter Deutsch lernen

Der türkische Ministerpräsident Erdogan spricht in Köln vor 16.000 und richtet mahnende Worte an seine Landsleute. Die Politik wundert sich über seine widersprüchliche Aussagen.

Erdogan in Koeln
Der türkische Staatspräsident begrüßt sein Publikum in der Kölnarena. -Foto: ddp

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan fordert die türkische Gemeinde in Deutschland auf, schon im
Kindesalter Deutsch zu lernen. Nur dadurch könnten sie die Möglichkeiten einer Ausbildung maximal ausnutzen.  Wer die Sprache nicht lernt oder erst in der Schule damit beginnt, ist von Anfang an im Nachteil.

Erdogan widerspricht sich

Die Türken müssten im Ausland besser und selbstbewusster für ihre Interessen eintreten, forderte Erdogan. "Seit über 40 Jahren tragen Türken zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland bei." Zugleich warnte Erdogan die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland davor, ihre kulturelle Identität komplett aufzugeben. Es sei zwar wichtig, Deutsch zu lernen, aber die türkische Sprache dürfe darüber nicht vernachlässigt werden. Die Türken stünden in Europa vor der Herausforderung, ihre Identität und ihre Kultur zu bewahren. Im übrigen betonte er die Friedfertigkeit aller im Ausland lebenden Türken. "Niemand kann von Ihnen erwarten, dass sie sich assimilieren, denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschheit", betonte der türkische Regierungschef.

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 500.000 türkische Schüler. Erdogan hatte am Freitag bei einer Diskussionsrunde mit Schülern im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Vorschlag gemacht, türkischsprachige Schulen und Universitäten in Deutschland zu gründen. Es gibt bereits Schulen, in denen in türkischer Sprache unterrichtet wird, zum Beispiel in Köln und Berlin. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind an Deutschlands Schulen auch schon etwa 550 türkische Lehrer tätig, um Einwandererkindern muttersprachlichen Unterricht zu erteilen.

Politiker kritsieren Erdogans Vorschläge für türkischsprachige Bildungseinrichtungen

Kritik an Erdogans Vorschlag für türkischsprachige Schulen und Universitäten in Deutschland kam vor allem aus der Union. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief Zuwanderer im RBB-Inforadio auf, sich selbst mehr um die Eingliederung in die deutsche Gesellschaft zu bemühen. Sie sollten "sich nicht in die eigene türkische Welt zurückziehen", sondern dafür sorgen, dass sie selbst und ihre Kinder die deutsche Sprache lernen. CSU-Chef Erwin Huber bezeichnete die Überlegungen des türkischen Regierungschefs als „Gift für die Integration“. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Ich will nicht, dass die Kinder körperlich hier sind und geistig und seelisch in der Türkei.“ (ml/dpa)

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