Politik : Bildungsmisere: 40 Prozent scheitern

Die deutschen Akademiker werden zu einer vom Aussterben bedrohten Art. Zumindest, wenn der Abwärtstrend beim Hochschulstudium anhält, den jetzt eine Studie der Universität Essen ermittelt hat. Deutschlands Universitäten führen demnach zu wenige Studenten erfolgreich zum Examen. Zwar erreichen heute mit 27,5 Prozent eines Altersjahrgangs doppelt so viele junge Menschen das Abitur wie noch vor 30 Jahren. Gleichwohl schaffen mit rund 11,5 Prozent kaum mehr als damals einen Universitätsabschluss. Dies ermittelten die Bildungsforscher Klaus Klemm und Michael Weegen.

Als Ursachen machen die Wissenschaftler einen zunehmenden Studienverzicht bei Abiturienten sowie einen drastischen Anstieg der Abbrecherquoten im Studium aus. 20 Prozent der Abiturienten wollen heute grundsätzlich kein Studium aufnehmen. Vor Jahren noch waren dies erst zehn Prozent. Zum anderen ist der Anteil der Studienabbrecher an den Universitäten inzwischen auf fast 40 Prozent aller Studienanfänger gestiegen. Die Bildungsforscher sprechen dabei von einer "ausgebremsten" Bildungsexpansion durch die Universitäten und prophezeien der Bundesrepublik in den kommenden Jahren einen "erheblichen Akademikermangel". Die Green-Card-Debatte sei nur "ein erster Vorbote" dieser Probleme.

Von 100 Studierenden in den Lehramtsstudiengängen, in Maschinenbau und in Jura beenden 40 ihr Studium vorzeitig ohne Abschluss. Bei den Elektrotechnikern und in der Physik sind dies 50, bei den Wirtschaftswissenschaftlern und Informatikern 60, bei den Mathematikern sogar 70 Prozent. Klemm plädiert für eine stärkere studienbegleitende Förderung. Wer sich beispielsweise bereits freiwillig für das Informatik-Studium entschieden habe, sei in der Regel motivierter als diejenigen, die man jetzt mühsam an den Schulen für das Mangelfach zu überzeugen versuche.

Auch die neue Statistik der Kultusminister belegt nach den Worten der Wissenschaftler eine Stagnation bei der Bildungsentwicklung: Seit 1995 verharrt die Abiturquote auf dem bis dahin erreichten Niveau. Die derzeitigen Quoten von Universitätsabsolventen werden nach Aussage von Klemm und Weegen nicht ausreichen, um die in den nächsten Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheidenden Akademiker zu ersetzen, schon gar nicht würden sie die Ausweitung der Zahl der akademisch qualifizierten Erwerbstätigen ermöglichen.

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