Bildungsstudie : Berufs-Chancen: Akademiker immer obenauf

Eine Studie zeigt: Akademiker sind in Deutschland zehn Jahre nach ihrem Hochschulabschluss praktisch vollbeschäftigt, verdienen im Schnitt gut 60.000 Euro im Jahr – und sind größtenteils davon überzeugt, dass ihre Arbeit ihrer Qualifikation angemessen ist.

Tilmann Warnecke
Akademikergrafik

Dieses positive Fazit zieht eine neue Studie des Hochschul-Informations-Systems (His) im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Für die Studie wurden 5500 Absolventen aller Fachrichtungen befragt, die 1997 ihr Studium abgeschlossen hatten. „Ein Studium ist nach wie vor ein guter Weg, die eigenen Beschäftigungsaussichten zu verbessern“, heißt es.

Die Studie offenbart allerdings, dass es bei der Erwerbstätigkeit von Akademikern nach wie vor große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Unter den befragten Männern arbeiten praktisch alle. Dagegen ist jede fünfte Frau nicht erwerbstätig. Grund dafür ist bei den meisten, dass sie Kinder bekommen haben und gerade in Elternzeit sind. „Die mit der Familiengründung einhergehenden zusätzlichen Belastungen werden fast ausschließlich von Frauen getragen“, kritisieren die Autoren der Studie.

Als „arbeitslos“ – also auf der Suche nach einem Job – bezeichnen sich von den Absolventen nur ein Prozent. Diese niedrige Quote gilt für alle Fächer, auch für die vermeintlich wenig aussichtsreichen Geisteswissenschaften. Arbeitslosigkeit sei für Akademiker ein „Übergangsphänomen“, das lediglich direkt nach dem Studium und dann oft nur für weniger als ein halbes Jahr auftrete, heißt es.

Mehr als achtzig Prozent der Fachhochschul-Absolventen und mehr als siebzig Prozent der Uni-Absolventen haben zehn Jahre nach dem Abschluss unbefristete Arbeitsverträge. Besonders sicher sind die Jobs vom Maschinenbauern (90 Prozent haben unbefristete Verträge). Aber auch in den Geisteswissenschaften ist die Quote hoch (72 Prozent sind unbefristet angestellt). Von der viel beschworenen „Dramatik“ des Rückgangs von normalen Arbeitsverhältnissen könne also keine Rede sein.

Auch seien Akademiker-Jobs ziemlich krisensicher. Der Niedergang der New Economy am Anfang des Jahrzehnts und die Rezession 2004/2005 hätten kaum Spuren hinterlassen. Es sei anzunehmen, dass sich auch die aktuelle Wirtschaftskrise „nur geringfügig auf die Beschäftigung der Hochschulabsolventen auswirken wirkt“, folgern die Autoren.

Über die Fächergruppen hinweg sind Akademiker zufrieden mit ihrer Arbeit. Nur jeder Zehnte sagt, sein Job sei „inadäquat“ für die an der Hochschule erworbenen Qualifikationen. Überduchschnittlich unzufrieden sind allein Biologen (17 Prozent halten ihre Arbeit für inadäquat), Mathematiker (14 Prozent) sowie Architekten (13 Prozent). Die überwiegende Mehrheit in allen Fächergruppen sieht zudem eine langfristige Perspektive in dem, was sie gerade beruflich machen.

Weniger homogen sieht das Bild aus, wenn es um das Brutto-Einkommen geht. Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Fächern (siehe Grafik). Spitzen-Verdiener sind die Wirtschaftsingenieure, die einen Uniabschluss haben: Sie verdienen im Schnitt über 87.000 Euro im Jahr. Es folgen die Ärzte (75.000 Euro). Am unteren Ende liegen Bauingenieure (51.400 Euro) und Geisteswissenschaftler (47.500 Euro). Absolventen von Fachhochschulen verdienen im Schnitt 5000 Euro weniger als Absolventen von Universitäten.

Die Studie zeigt auch, dass Akademiker in den ersten zehn Jahren mit großen Gehaltssprüngen rechnen können. Als dieselben Absolventen vor fünf Jahren schon einmal befragt wurden, verdienten sie im Schnitt noch fast ein Viertel weniger.

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