Politik : Bio-Siegel: Ein Zeichen zur gütlichen Wende

Ulrike Fokken

Da fliegt es dahin, das neue "Bio-Siegel". Hunderte Luftballons hat die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast am Mittwoch in den Berliner Himmel entlassen. Auf jedem prangt das Zeichen, an dem Verbraucher in Zukunft Eier, Äpfel, Kartoffeln, Brot und Schnitzel aus ökologisch verträglicherem Landbau erkennen können. 145 000 Euro gibt Künast bis zu diesem Jahresende dafür aus, damit das Zeichen - ein grünes Sechseck mit der Aufschrift "Bio nach EG-Öko-Verordnung" - bekannt wird. Grafik: Das neue Bio-Siegel Jeder Nahrungsmittelproduzent kann das Zeichen für seine Lebensmittelprodukte beantragen und kostenlos benutzen - wenn er sämtliche Kriterien der Verordnung erfüllt und einhält. "Das Zeichen ist ein Puzzle-Teil für die Agrarwende", betonte Künast, während sie das Zeichen vorstellte. Die Ministerin erwartet, dass dadurch mehr Bauern ihre Höfe auf einen ökologischen Landbau umstellen werden.

Denn die EU-Verordnung ist im Verhältnis zu den Richtlinien einiger Anbauverbände wie Demeter und Bioland oder auch den deutschen Standards weniger strikt. Das erleichtere jedoch den Bauern den Schritt von konventionellen zum ökologischen Landbau, sagte Künast. Sie will darüber hinaus, dass bis zum Jahr 2010 rund 20 Prozent der entsprechenden Fläche nach ökologischen Maßstäben bewirtschaftet wird. Außerdem versuche sie ihre Kollegen aus den anderen EU-Staaten und EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler zu bewegen, die EU-Verordnung noch zu verschärfen. "Die Türen dafür stehen weit offen", sagte Künast.

Vorerst hat Renate Künast in Brüssel und Deutschland genug damit zu tun, auf genetisch veränderte Lebensmittel aufzupassen. Denn genmanipulierte Grundstoffe gelangen schon in die Nahrungskette. Künast will deshalb in den nächsten Wochen alle Beteiligten aus der Industrie und Forschung zu einem Gespräch zusammenbringen. Bei Lebensmitteln mit dem Bio-Siegel seien genmanipulierte Stoffe nicht akzeptabel.

Nahrungsmittelproduzenten, die unökologische Produkte mit dem Öko-Siegel verkaufen, müssen mit 30 000 Euro Strafe rechnen. Die Kontrolle ist vorerst Ländersache, doch Künast findet die Überwachung "eine richtige Aufgabe für eine Bundesanstalt". Sie plant, die unterschiedlichen Stellen zur Fleisch-, Fett-, Milch- oder Weinforschung und die Überwachungsbehörden in einer Bundesanstalt für den Verbraucherschutz zusammenzufassen.

Ökobauern und der Verband der Landfrauen begrüßten am Mittwoch das neue Bio-Siegel. "Das ist eine Superchance für die Landfrauen", sagte Heike Troue, Hauptgeschäftsführerin des Landfrauenverbands. Die rund 500 000 Landfrauen hätten schließlich vor Jahren angefangen, die Produkte ökologisch anzubauen und regional zu vermarkten.

Auch die Biobauern sehen in dem neuen Zeichen einen Wettbewerbsvorteil. "Die Mehrheit der Bevölkerung kann so das Vertrauen in die Bio-Produkte vertiefen", sagt Thomas Dosch, Vorsitzender von Bioland. Da sein Verband weiterhin nach den strengeren Richtlinien arbeitet und das eigene Zeichen verwendet, sieht Dosch in dem Bio-Siegel "keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung".

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