Politik : Bischof Huber sieht Stillstand der Ökumene

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Berlin Beim Auftakt der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat der Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber am Sonntag klare Grenzen des Dialogs mit der katholischen Kirche und mit anderen Religionen aufgezeigt. Er erteilte einer „Makro-Ökumene“ der Religionen eine Absage. „Wer die Bedeutung der Taufe hervorhebt, wird auch dem Weg zu religionsverbindenden gemeinsamen Gebeten oder interreligiösen Feiern nicht das Wort reden.“

In Bezug auf das Verhältnis zur katholischen Kirche sprach Huber von „Bitternis“. Er stellte klar, dass die Ökumene nicht vorankommen werde, solange der Vatikan die evangelische Kirche nicht als gleichrangige Kirche respektiere. Das „Ausmaß der Trennung“ der beiden Konfessionen habe er beim Trauergottesdienst für Roger Schutz im Sommer deutlich erlebt. Der Gottesdienst für den langjährigen Prior der ökumenischen Gemeinschaft im französischen Taizé sei eine rein katholische Messfeier gewesen. Die Protestanten hätten weder bei der Gestaltung der Liturgie mitsprechen noch an der Eucharistiefeier teilnehmen dürfen. Dies sei besonders bedauerlich, da gerade von Taizé der „ökumenische Frühling“ ausgegangen sei, so Huber. Roger Schutz ist bis zum Ende seines Lebens Protestant geblieben. Er habe sich nur unter der Bedingung der katholischen Kirche geöffnet, sagte Huber, wie er seiner protestantischen Heimat treu bleiben konnte.

Mit Blick auf Frankreich, sagte der Ratsvorsitzende, dass Deutschland solche Unruhen als Ausfluss sozialer Konflikte nur dann erspart blieben, wenn die Situation von Menschen, die heimatlos, ohne Chancen am Arbeitsmarkt und ohne Orientierung seien, von der Politik wahrgenommen werde. Die Kirche sehe sich dabei als „Seismograf“ für gesellschaftliche Notlagen. clk

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